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THE PACIFIC NORTHWEST WONDERS
20-tägige Mietwagenrundreise im Nordwesten Nordamerikas

San Francisco
Goldene Brücken bauen und rote Teppiche zur Begrüssung ausrollen - das kann San Francisco wie keine andere amerikanische Stadt. Schon der erste Anblick von ihr fasziniert: die hügelige Traumlage über den Wassern, die Skyline und die berühmten Brücken, die jeden mit offenen Armen zu empfangen scheinen.
Kein Wunder, dass San Francisco von allen wie ein Lieblingskind verhätschelt wird. Und die Stadt selbst, die sich stolz "The City" nennt, geniesst es, everybody's favorite zu sein. Dabei ist sie alles andere als typisch amerikanisch. Die tägliche Gangart wirkt eher europäisch, und der asiatische Einfluss wächst und wächst. San Francisco, eine westöstliche Diva ist nach allen Seiten offen.
Entsprechend hoch rangieren Stadtkultur und Strassenleben in den diversen ethnischen Vierteln. Statt der üblichen autogerechten Trennung von Downtown und Suburbia, überrascht San Francisco durch die Palette seiner Plätze, Parks und Perspektiven, durch Cafes und Eckkneipen - bunt und jeden Tag neu bevölkert von gestriegelten Yuppies und verknautscht­en Flippies, Bankern und Spassvögeln, locals und Touristen. Wie sagte Rudyard Kipling? San Francisco habe nur einen Nachteil: "Man kann sich schwer davon trennen."
Aber das ist ja erst übermorgen der Fall. Vielleicht haben Sie am späteren Nachmittag noch die Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten, zumindest aber sollte man sich noch eine Weile auf ihnen wach zu halten, denn trotz langem Flug und Müdigkeit ist es klüger, nicht zu früh ins Bett zu gehen. Der Zeitunterschied kann nämlich hinterhältig wirken und Sie in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett werfen!top

Tag 1: San Francisco
San Francisco, das steht fest, ist eine der wenigen amerikanischen Städte für Fussgänger! Warum also nicht mal einen richtigen Stadtrundgang machen? Am besten man startet am Union Square. Der Blick, der über das statuen- und palmenbekrönte Karree schweift, macht sich unweigerlich fest am mächtigen Bau des stets fahnenumflatterten, taxi-umwimmelten St. Francis Hotel. Neben der Eleganz der Schaufenster fällt an der südöstlichen Platzecke der gläserne Eingang zum Kaufhaus Neiman Marcus ins Auge, dem renommierten Department störe, der wie ein Pariser Kaufhaus aussehen möchte.
Weiter geht es durch Maiden Lane, die hohle Gasse, die eine Reihe hübscher Läden vor­weisen kann. Im Sommer sitzen die Leute an kleinen Tischen auf der Strasse; Autos sind unerwünscht. Um die Ecke, auf Grant Avenue, trifft man auf Galerien, Schweizer Schokolade, Püppchen in historischen Kostümen und die Schleckerecke der "Franciscan Croissants", die die schon draussen duften. Geschäftige und Flaneure bevölkern auch die Cracker Galleria am Ende von Post Street, einer dreistöckigen Glaspassage in akzeptablen Proportionen mit eleganten Läden und Restaurants. Angrenzend die Market Street, die, quer zum Rastertrend der meisten Strassen, vom Schiffsanleger (Ferry Building) schnurstracks auf die Twin Peaks zuführt. An Montgomery Street geht es links ab, hin zu den Büroriesen des Financial Center, die jedem Erdbebenrisiko trotzig ins Auge schauen.
Montgomery Street, der wichtigste finanzielle Nervenstrang der Westküste, war mal, als der Goldstaub hierher wehte, die matschigste Meile der Stadt. Doch der Weg vom Gold zum Geld hat für Abhilfe gesorgt. Wo sich früher Kaninchen und Flöhe tummelten, hasten heute seriöse Herren in gedeckten Zweireihern und meist zu kurzen Hosen oder hochhackige Damen zum Lunch. Hinter der Kreuzung von California Street befindet sich auf der rechten Strassenseite der Wells Fargo History Museum. Hier kann sich jeder durch allerlei Anschauungsmaterial in die Zeit der Postkutschen und des raffgierigen Ol' West versetzen lassen. Den herausragenden Schlusspunkt des Lehrpfads durch die architektonischen Errungenschaften der Finanzwelt setzt die Transamerica Pyramid, das einzige Hochhaus der Welt, das einen Redwoodhain an seiner Seite stehen hat: ein grünes Tannenwäldchen mit Springbrunnen und Sitzbänken.
Themenwechel: Chinatown. Nach der festgemauerten Welt der Anglos plötzlich nur noch Chinesen! Asien scheint in San Francisco direkt um die Ecke zu liegen. Portsmouth Square war schon während der spanischen Kolonialzeit ein Mittelpunkt. Im Pueblo Yerba Buena, wie San Francisco damals hiess, lag hier die Plaza. Später wurde sie zum beliebten Herzstück von Chinatown, die heute mit ihren rund 70 000 Einwohnern die grösste chinesische Gemeinde in den USA ist. Auf der unteren Ebene des Platzes sitzen die Mütter und passen auf die Kinder auf, während oben auf dem Platz sich die alten Männer ihrer Leidenschaft, dem Schach-, Karten- und Mah-Jongg-Spiel widmen. Vorbei am Pagodenbau der Bank of Canton (Nr.743) führt Washington Street weiter zur Lebensader von Chinatown: Grant Avenue. Man sieht ihr an, wie fest sie in der Hand der Souvenirindustrie von Taiwan und Hongkong ist - bil­liger, manchmal aber auch kurioser Klimbim.
Waverly Place ist eine exotische Bilderbuchstrasse mit schönen, durch schwungvolle und bemalte Balkone gegliederten Fassaden einst mächtiger Familienresidenzen. Längst hat sich Stockton Street zum authentischen Gegenstück von Grant Avenue entwickelt - mit überquellenden Gemüseläden, Lieferwagen, Gewürzstübchen und baumelnden Hähnchen. Cinatown ist immer noch der am dichtesten besiedelte von San Francisco, wo die Menschen auf engstem Raum wohnen und arbeiten - in Hinterhöfen und engen Gassen, in Miniwerkstätten, Nähstuben, Nudelfabriken und Bäckereien (Lunchvorschlag: Dim Sum).
Nur einen Block entfernt wartet wieder ein anderes Stück San Francisco. Nicht als Stadtviertel, sondern als Transportmittel: die allseits bekannte Cable Car. Die Fahrt mit dem Ratterding bis zum Wasser serviert nicht nur Touristen wechselnde vistas und Perspektiven der faszinierenden Stadt, denn auch bei den San Franciscans selbst ist die unter Denkmalschutz stehende Bahn beliebt.
Unten am Pier gibt's oft Gedrängel. Verständlich, denn die ehemalige Schokoladenfabrik Ghirardelli Square ist ein Touristenmagnet - ihre vielen Geschäfte ebenso wie die Kleinkünstler, die das ganze Jahr hindurch das Publikum bei Laune halten. Einst lag hier Italy Harbor, der Fischereihafen ganz in italienischer Hand. Die alten bocciaspielenden Italiener beim Maritime Museum retten fast als einzige die lebendige Vergangenheit des Hafens. Schritt für Schritt wandelte er sich vom Arbeitsplatz zum Abziehbild für Hafenromantik und Seeabenteuer. Ausnahme: die Seelöwen, jene zudringlichen lauten Lümmel, die sich bei den Kuttern und Pfahlbauten tummeln. Am Embarcadero entlang führt der Weg langsam wieder Richtung Stadt. Draussen in der Bay liegt Alcatraz. Auch die ruinösen Reste des ehemals berühmt-berüchtigten Zuchthauses haben ein Recycling erfahren - besonders für nerven­schwache Ausflügler, die das Gruseln lernen wollen.
Vielleicht bedarf es zu diesem Zeitpunkt des Rundgangs einer kleinen Stärkung, vor allem angesichts der fast alpinen Aufgabenstellung, die nun (in Höhe von Levi's Plaza rechts) bevorsteht: der Aufstieg über die Filbert Steps. Für ein paar Minuten glaubt man gar nicht, in San Francisco zu sein - so wild begrünt sind die Stufen mit den schläfrigen Katzen und hüb­schen Holzhäuschen, die hängenden Gärten, durch die man am Ende den Coit Memorial Tower erreicht.
Die Kletterpartie wird mit einer erstrangigen Aussicht belohnt: auf die Stadt, die Bucht, die Brücken. Sichtbar wird aber auch die unerbittlich regelmässige Strassenführung, die die natürliche Topographie der Stadt quasi unter sich begräbt. Auch heute noch gelten die Hänge von Telegraph Hill als begehrte Wohngegend, der Ruhe und der tollen bay views wegen.
Zurück und abwärts führt wieder eine kleine Treppe, und nach wenigen Minuten rundet sich der Tageslauf am Washington Square, der grünen Piazza von North Beach. Hier und rund um den Platz bekommt man die sehr europäische Stadtkultur San Franciscos zu spüren. Italiener und Chinesen, Senioren-Beatniks und Yuppies geben sich rund um die Uhr ein Stelldichein. Trotz moderner Geschäftsmässigkeit, bedrohlich steigender Mieten und nüchterner vietnamesischer Wäschereien zieht noch ein Hauch von altmodischer Boheme durch die Cafes, Bars und Buchläden. Ob im "Trieste", "Puccini", "Vesuvio's" oder "Tosca" -nirgendwo sonst in den USA sieht man so viele Menschen lesend, redend, kritzelnd oder sich einfach der Musik hingebend - sei es Rock, Jazz oder Verdi.top

Tag 2: San Francisco - Mendocino (ca. 290 km)
Nichts schöner, als über die Golden Gate Brücke zu einer Stippvisite nach Sausalito zu fahren. Man wählt die entsprechende Ausfahrt, parkt beim Anleger der Schiffe und kann in Ruhe durch den kleinen feinen Ort bummeln oder die Möwen füttern. Landeinwärts dann, in Richtung Muir Woods, dauert es nur Minuten, dann beginnt ein anderes Kalifornien. Abrupt wechselt Stadt zu Land. Denn kaum windet sich die Strasse die nach Eukalyptus duftenden Hänge der headlands empor, breitet sich wildes Terrain aus. So wie hier hat es dort, wo heute San Francisco steht, vor gar nicht allzu langer Zeit auch mal ausgesehen: kahle Küstenfelsen mit strammen Winden und Bergziegen.
Das Muir Woods National Monument besteht aus einem windgeschützten Redwoodhain, einem duftenden, feucht-kühlen Hochwald aus teils über 80 Meter hohen Baumriesen, von denen manche schon mehr als vier Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Am Bach entlang kann man bequem zu den hölzernen Gesellen in der Cathedral Grove spazieren. Selbst nach ihrem Tod kümmern sich die Stämme um ihre Nachkommenschaft und treiben neue Keime, die sich zu richtigen Bäumchen auswachsen. Benannt ist der Park in Erinnerung und zu Ehren von John Muir, seines Zeichens Naturforscher, Philosoph und Umweltschützer, der ausser seinen Bemühungen um die Umwandlung von Yosemite in einen Nationalpark auch Gründer des heute in Umweltfragen einflussreichen Sierra Clubs war.
Wer vor der Weiterfahrt noch einen Blick aufs Wasser riskieren möchte sollte kurz zum Muir Beach Overlook fahren, von dem aus man die erste schöne Aussicht auf die Nordküste geniessen. Die Grossstadt scheint Welten entfernt. So nah können sich Wildnis und Grossstadt in Kalifornien liegen.
Diesseits der Küstenberge, auf der Bay-Seite, sieht es schon lieblicher aus: das schicke Sausalito präsentiert sich als mediterranes Schmuckstück mit einem regen Jacht- und einem fantasievollen Hausboot-Hafen.
Der Highway One von San Francisco nach Mendocino erweist sich als eine California Mystery Tour: voller Kurven und schöner Bilder, so dass einem manchmal Hören und Sehen vergeht! Anders als in Südkalifornien hat sich die Küste hier im Norden raumgreifender Erschliessungen und Besiedelung erwehren können, wie ja überhaupt das Umweltbewusstsein in diesem Landesteil inzwischen stärker ausgeprägt ist als weiter südlich.
Zwischen der Bolinas Lagune und Tomales Bay folgt der Highway an der optimistischen Oberfläche genau der San Andreas fault, der berüchtigten Knautschfalte zwischen tektonis-chen Platten (der pazifischen und der kontinental-amerikanischen), die sich rund tausend Kilometer durch Kalifornien zieht und es zu einem der erdbebenreichsten Länder der Welt macht. An den grauen Kämpferzonen zwischen Land und Meer, gebeutelt von Regen und Stürmen, säumen Zypressen und Kiefern die Strecke zwischen zufrieden grasenden Schafen zur Rechten und dem schaumigen Pazifik zur Linken. Dünen, hier und da Pferde und wild flowers überall. Unten am Wasser kämpfen tapfere Spaziergänger Arm in Arm bei nasskaltem Wetter gegen den Wind.
Wenn die Strasse einen Bogen landeinwärts schlägt, taucht sie in eine Art tropischen Regenwald ein: So wild wuchern hier Bäume und Büsche in den geschützten Buchten, und so tief hängen die Nebelwolken.
Kenner von Hitchcocks "Die Vögel" sind sicher darauf gespannt, in Bodega, kurz bevor sie die Bay erreichen, einen kleinen Schlenker durch den Ort zu machen, um die Kirche (die katholische St. Teresa von 1860) und das Schulhaus (von 1873) aus dem Horrorfilm (wieder) zu sehen.
Schon nach den ersten Kilometern durchs Küstengebirge fällt auf: Bauen mit Holz ist allenthalben gefragt. Viele der Häuschen haben simple, aber gefällige Formen, andere wirken extravagant. Ein besonders gelungenes Beispiel steht gleich in Portuguese Beach an der Strasse - ein meditativ anmutender, kegelförmiger Wohnbau aus Holz und Glas.
Malerisch mündet der wegen seiner Lieblichkeit und seinem Wein geschätzte Russian River bei Jenner in den Pazifik, immer vorausgesetzt, man sieht ihn überhaupt. Denn die Küste ist bekannt für Niesei und Nebel. Im Nu können die Wetterköche Traumlandschaften zu einem farblosen Brei verrühren und bunte Postkartenmotive derart ruinieren, dass nur noch rote Rücklichter und dunkle Silhouetten von unerschütterlichen Kühen übrigbleiben.
Im und rund ums Fort Ross kann man schön herumlaufen und die restaurierte Anlage begutachten. 1812 errichteten hier die Russen das Zentrum ihrer umliegenden Besitzungen und zugleich einen Vorposten ihrer Siedlungen in Alaska, um Getreide anzubauen und Seeotter zu jagen. Deren Zahl aber nahm so rapide ab, dass sie 1842 Fort, Schaf- und Viehherden an den schweizerischen Siedlungsmanager John Sutter verkauften und sich zurückzogen.
Rhododendron-Liebhaber können sich im Kruse Rhododendron State Reserve satt sehen. Zwischen April und Juni stehen die stattlich hohen Sträucher in farbenprächtiger Blüte. In Höhe der Sea Ranch lohnt es sich allemal, den Motor für eine Weile abzustellen - am besten, weil die Bewohner hier streng auf privacy achten - bei der Sea Ranch Lodge, einem Hotel-Restaurant, dessen dezent-graue Holzarchitektur sich farblich dem meist verhangenen Ozean anpasst. Insgesamt hat die Ranch, eine wegen ihres Modellcharakters vieldiskutierte Zweithaus-Kolonie, die u.a. von Charles Moore in den 60er Jahren errichtet wurde, das Land und die See erfreulich in Ruhe gelassen.
Hier lässt es sich gut sitzen, besonders wenn gelegentlich elisabethanische Lautenklänge durch die ebenso lichten wie luftigen Räume perlen und der Blick sich in der Weite des Meers verlieren kann. Durch ein kleines Törchen im Holzzaun kommt man auf einen Pfad, der durch wilde Wiesen und vorbei an malerisch verfallenen Farmgebäuden zu den bluffs, zur Steilküste, führt.
Die meisten Flussmündungen am Highway sind von besonderem Reiz. Auch die des Gualala River. Gualala? Ja. Der wohlklingende Name soll die spanische Version des deutschen "Walhalla" sein, die ein deutscher Siedler 1846 hier einführte. Kurz danach fällt der Blick auf ein wahres Gedicht aus Holz: St. Orres, noble Herberge und ein Meisterstück handwerklicher Baukunst zugleich.
Die Steilküste von Pt. Arena und der Ort selbst mit seinen kunterbunt bemalten Holzhäuschen an Main Street und, wenig später, der Garcia River. In Manchester grüssen kess beschnittene Zypressen wie Punk-Bäume durchs Autofenster. Im diesigen Dunst ring­sum bekommen viele ruinöse Ranchgebäude etwas Geisterhaftes, so als seien sie Kulissen für Gruselfilme. Auch wenn man längst kein Bauer mehr ist, "hält" man sein Grundstück. Wer weiss, wozu die Scheunen mal gut sein werden. Albion, das Holznest, erinnert an den Namen New Albion. So hiess Kalifornien auf vielen Landkarten des 19. Jahrhunderts.
Von weitem wirkt Mendocino wie handgemalt, aus der Nähe wie handgeschnitzt: die vik-torianischen Villen, die adretten Zäune, die Windräder und Wassertürme. "Zeitlose Eleganz" nennt sich das, was in Wirklichkeit durchaus zeitgemäss ist, denn die hölzerne Inszenierung des Städtchens legitimiert die Preise, die die Edeltouristen heute für solch rauen, aber den­noch komfortablen Charme bezahlen. Es sind vorwiegend gutsituierte Pensionisten und junge Pärchen, die sich fürs Romantische entschieden haben - meist zart und scheu, aber liquide. Fast die Hälfte der Häuser steht heute unter Denkmalschutz, viele davon sind Museen, zier­liche B&Bs oder schnuckelige Restaurants. Verständlich, dass Mendocino als Drehort für Hollywoodfilme reüssierte.
Der Headlands State Park, der sich rund um das Örtchen zieht, ist ein herrliches Panoramafenster zur See. Ohne Probleme kommt man über Trampelpfade und durch Brombeerbüsche bis ans Wasser (am Ende von Main Street parken) - zum Wandern und Picknick und, unten am Strand beim Big River Beach, zum Faulenzen und zum Baden -wenn's warm genug ist. Denn übers Jahr gesehen, geben sich Himmel und Erde, Luft und Meer eher neblig-grau, so, als sei der Pazifik der Blanke Hans, der gern am Fuss der Klippen tost, an den Bojen zerrt und sie stöhnen lässt wie depressive Seelöwen.top

Tag 3: Mendocino - Eureka - Redwood National Park- Crescent City (ca 380 km)
April und Mai verwandeln den Highway in eine farbenfrohe Blütenschneise. Dann blühen die wilde Wiesen, Wicken, Kapuzinerkresse und die kalifornischen poppies, die ausgerech­net Adelbert von Chamisso ihren Namen verdanken. Die Nordküste: ein Kalifornien, das nur wenige kennen!
Kurz vor Fort Bragg sieht man rechts unten Noyo Harbor liegen, ein pittoreskes Zentrum der Holz- und Fischindustrie. Fort Bragg, die alte logging town, steht auch heute noch ganz im Zeichen des Holzens und Sägens, was man am besten an den dampfenden Sägewerken erkennen kann.
In Rockport heisst es Abschied vom Ozean nehmen, denn der Highway verdrückt sich landeinwärts oder muss es vielmehr tun, denn hier beginnt die sogenannte Lost Coast, die so zerklüftet und ruppig ist, dass es unmöglich schien, die Strasse an der Küste weiterzubauen. Das kurze Stückchen bis nach Leggett führt durchs Gebirge und dauert deshalb meist länger als es auf der Landkarte aussieht - vor allem dann, wenn ein trödelnder Camper vorausfährt. Mit der Auffahrt auf die US 101 ist das erst mal geschafft; hier sollte man an einem der burl Shops halten, Verkaufsständen, an denen alle möglichen skurrilen Figuren feilgeboten wer­den.
Garberville. Viele kleine Coffee Shops an der Hauptstrasse erinnern daran, was die Stunde geschlagen hat: Lunch Time. Der Ort liegt im Zentrum vieler Marijuanafelder, die ihrer guten Sorten wegen geschätzt, allerdings zur Erntezeit von Razzien heimgesucht werden. Ungeachtet dessen, stellen sie seit Jahren einen bedeutenden Wirtschaftszweig von Mendocino und Humboldt County dar. Danach kommt sie, die Avenue of the Giants, der Drive-in-Wald, die grüne Kathedrale. Wer möchte, kann die Rothölzer auf dem (halbstündi­gen) Lehrpfad in Founders Grove kennenlernen.
Von weitem wehen schon die weissen Schwaden der Pacific Lumber Company in Scotia, der grössten Sägemühle der Welt. Auf die Wunder der Natur folgt damit deren Verwertung, auf das Grossformat das Kleinholz der Balken und Latten. Die PLC dominiert nicht nur den Ort, er gehört ihr auch. Scotia, komplett aus Redwood-Holz gebaut, ist das, was man eine Company town nennt. Die Gesellschaft sorgt für alles - Arbeit, Unterkunft und Sozialleistungen. Selbst das Fremdenverkehrsbüro ist materialgerecht; es hat sich hinter der schwärzlichen Holzfassade eines Tempels eingerichtet.
Kurz hinter Rio Dell ändert sich plötzlich die Szenerie, das Canyontal öffnet sich für plat­te Weideflächen, das Terrain für den traditionellen Wohlstand der Käse, Milch- und Eierbauem der Region. In Eureka lohnt es, einmal Second Street in Old Town auf und ab zu fahren. Liebevoll zurechtgemachte Häuser gibt es dort zu sehen, die scharfe Kontraste bilden mit den ruppigen Schuppen und Hallen der Hafenanlagen. Die Investitionen ins bauliche Erbe gehen inzwischen so weit, dass man Repliken alter Gebäude baut, instant Victorians sozusagen. Unangefochtener Star der lokalen Architektur bleibt Carson Mansion, eine spinat­grüne Villa im Queen-Anne-Stil am Fluchtpunkt der Strasse, die eher einer teuren Konfektdose als einem knorrigen Redwood-Wald entsprungen sein könnte.. Die Route folgt nun wieder der US 101 - zur Blütezeit verschwenderisch geschmückt mit Ginster, Rhododendren und Lupinen. (Die Ausfahrt nach Trinidad über die waldige Patrick's Point Road führt zum gleichnamigen State Park und weiter bis zum Agate Beach, einem selten ein­samen Strand, an dem es sich endlos laufen lässt.)
Auf dem Weg nach Norden reiht sich nun Lagune an Lagune, durch Sandbänke vom Ozean abgetrennt - mit Bootsrampen, Campingplätzen und allerlei driftwood. Auf der Stone Lagoon darf man sogar mit dem Auto fahren, und bei der Freshwater Lagoon stehen in der Regel die meisten Camper und Trailer, weil das hier, anders als in den State Parks, nichts kostet. Wegen seines Fischreichtums ist der Süsswassersee bei Anglern beliebt, aber auch bei Wasserski-Fans, weil die Bootsleute froh sind, dass ihnen kein Salz den Motor verdirbt.
Allmählich verändert sich die Vegetation. Die Vorherrschaft der Zypressen ist gebrochen, statt dessen rücken andere Nadelhölzer und Laubbäume an die Küstenstrasse. Kein Wunder also, wir sind im Redwood National Park. Vieles spricht dafür, zunächst einmal zum Besucherzentrum des Prairie Creek Redwoods StatePark hochzufahren, dem südlichen Teil des Nationalparks. Ausser dem ungewöhnlichen Anblick frei grasender Elche erfährt man hier eine Menge über Flora und Fauna der Region. Zum Beispiel darüber, was die Superstämme an der Küste von denen im Landesinnem unterscheidet. Nun, die Coast Redwoods wachsen am höchsten - mit bis zu 116 Metern halten sie den Weltrekord. Als natürliche Wolkenkratzer wachsen sie im so genannten "Mekka der Forstleute", d.h. auf einem über 800 Kilometer lan­gen Küstenstreifen von Big Sur im Süden bis hinauf nach Süd-Oregon, stets angewiesen auf milde Temperaturen mit viel Nebel und Regen. Sie werden bis zu 2000 Jahre alt. Paleobiologen haben Fossile von Redwoods in Steinen entdeckt, deren Alter man auf 160 Millionen Jahre schätzt. Ihre Zählebigkeit hat allerdings nicht verhindern können, dass 1925 mehr als einem Drittel der gesamten Redwood-Bestände Kaliforniens der Garaus gemacht wurde. So gross war der Holzbedarf. Anders dagegen die Giant Sequoia, die die grössten Bäume überhaupt sind, nicht wegen ihrer Höhe, sondern wegen ihres über 30 Meter messenden Umfangs. Ihr Lebensraum liegt in den feuchten Sandböden am Westhang der Sierras. Sie werden sogar noch älter als ihre ohnehin schon greisen Verwandten an der Küste, nämlich bis zu 3200 Jahre.
Danach noch ein Sprung über den hier einmündenden Klamath River, noch ein weiteres Stück malerische Waldstrasse durch den Jedediah Smith Redwoods State Park und das Tagesziel ist erreicht: Crescent City.top

Tag 4: Redwood National Park - Oregon Dunes - Portland  (ca. 560 km)
Vom Redwood National Park geht die Fahrt weiter in die Oregon Dunes Recreation Area, die sich mit einer Fläche von 120 Quadratkilometern an der Küste entlang von Coos Bay bis Florence erstreckt. Hier, wo die höchsten Sanddünen Nordamerikas zu finden sind - sie erre­ichen eine Höhe von bis zu 150 Metern -, fühlt man sich zuweilen in die Sahara versetzt. Ein wenig südlich von Coos Bay befindet sich der Shore Acres State Park, ein wunderschöner Park. Ursprünglich wurde der Blumenpark mit seinem orientalischen Garten 1915 von dem "Holzbaron" Louis J. Simpson angelegt, der in den ersten beiden Jahrzehnten dieses Jahrhunderts äusserst erfolgreich war. Nach heftigen Schicksalsschlägen und finanziellen Einbussen machte Simpson den Park im Jahre 1934 dem Staat Oregon zum Geschenk. Coos Bay besitzt den grössten natürlichen Hafen der Westküste zwischen Puget-Sund und San   Francisco.   Die   1854  gegründete  Stadt  bezeichnet  sich  als  "weltweit grösster Holzverladehafen". Ausserdem ist die Stadt für die Austernzucht bekannt. Typisch für die Gegend um Coos Bay ist der Myrtenwald, dessen Holz hier kunsthandwerklich verarbeitet wird. Minimalprogramm auf der nun folgenden Strecke ist ein Stopp am Oregon Dunes Overlook, zehn Meilen südlich von Florence, mit Aussichtsplattform, Wanderwegen und Picknicktischen. Einen systematischen Überblick gewährt die Zentrale der Oregon Dunes Recreation Area in Reedsport. Wer im Dune Buggy durch die Dünen sausen will, nun ja ... Acht Meilen südlich von Florence führt die Siltcoos Beach Road in die Dünen hinein. Hier kann man ab Stagecoach Trailhead einen Rundgang auf dem Lagoon Trail (0,5 Meilen) unternehmen.
Newport enttäuscht zunächst mit seiner nicht enden wollenden Zweckbebauung am Highway, die sich Samuel Case so nicht gedacht hatte, als er 1866 sein Hotel "Ocean House" baute und diesen, wie auch den Namen der Stadt, dem berühmten Vorbild an der Ostküste entlieh. Und die Summer People kamen! - Per Kutsche aus Corvallis und per Dampfer aus San Francisco. Bis in die 1920er war es in Nye Beach schick, "heisse Seebäder" zu nehmen. Im Oregon Coast Aquarium von Newport bekommt Whale Watching eine neue Blickrichtung: schräg von unten. Hier schwebt nämlich "Keiko", der grosse Fisch, der keiner ist, wie ein Zeppelin im grünblauen Wasser seines Beckens und lässt sich betrachten. In einer beispiel­losen Publikumsaktion, angeregt durch zwei Filme, Free Willy I und II, wurde der Wal aus einem Themenpark in Mexico City befreit und 1996 - mit UPS - nach Newport geflogen. Keiko ist ein Schwertwal von der Subspezies der Delphine, etwa 20 Jahre alt, sechs Meter lang, dreieinhalb Tonnen schwer, mit einem täglichen Fischverzehr von zwei Zentnern. Newport behauptet von sich, die einzige historische waterfront der USA zu besitzen, die noch aktiv ist. Man begeht die Old Bayfront am besten über Bay Boulevard. Dort findet man Ladenfronten aus der Jahrhundertwende, Wandbilder zur Geschichte Newports, fischverarbeitende Betriebe, die zuschauerfreundlich ihre Flussgarnelen abpacken, und schwankende Gestalten, die am helllichten Vormittag aus echten Seemannskneipen tapsen. Die Plakate mit WELCOME KEIKO an den Lokaltüren verblassen allmählich. In der Bucht schwimmen authentische Seelöwen und bellen von der Mole herüber. Es begann mit der Entdeckung hochkarätiger Austernbänke am oberen Ende der Bucht, dann folgten die Sommerfrischler um Nye Beach, die Fischerei kam in Schwung, und die Bahnstrecke nach Corvallis wurde ver­legt. Dann sollte Newport Welthafen werden und mit Portland konkurrieren! Doch der rührige Oberst Egonton Hogg kam mit seiner Corvallis & Eastern Railroad 1888 nur bis zwölf Meilen vor dem Kaskadenkamm (statt bis Boise, Idaho), dann strichen ihm die Geldgeber die Mittel. Yaquina Bay war einfach zu seicht für grosse Seeschiffe, die Sande vor der Küste waren zu unstet.
In Newport verabschieden wir uns vom Meer und fahren weiter in Richtung Portland. Die Stadt wird, wie Seattle, von Zeit zu Zeit zur "Most Livable City" der USA gekürt. Für die einen ist es die "City of Roses", für die anderen die "City of Books". Ausserdem besitzt Portland noch den grössten Stadtpark (Forest Park mit 18 Quadratkilometern), die meisten Mikrobrauereien und die grösste Kino- und Kneipendichte von allen Städten der USA. Dazu kommt ein ziemlich gut entwickeltes öffentliches Nahverkehrssystem und eine Menge Public Art, dank städtischer Verordnung von 1980. Was die Konkurrenz zwischen Seattle und Portland betrifft, so gebärdet sich Seattle wie ein jüngerer Bruder, der dem älteren über den Kopf gewachsen ist. Portland war immer zuerst da: mit der Gründung 1844 (Seattle: 1851); mit der transkontinentalen Eisenbahn 1883 (Seattle: 1892), mit der ersten grossen überre­gionalen Ausstellung (Lewis & Clark Exposition) 1905 (Seattle: 1909). Quasi unter der Bumside Bridge quirlt am Wochenende der Saturday Market mit Kunsthandwerk, Imbissküchen, Bands und entspannten Menschen aller Altersgruppen. Jenseits der lästigen Front Avenue beginnt der Tom McCall Waterfront Park. Mit ihm hat sich Portland ein weiteres Stück Lebensqualität gesichert, indem es einfach eine vierspurige Stadtautobahn (die 1-404) um 15 Strassenblocks zurückverlegte. Jetzt nutzen Bürger die einstige Rollbahn am Willamette River zum Walking, Jogging, Bicycling, Rollerskating, Rollerblading, Skateboarding oder schlicht zum Flanieren. An Wochentagen sind es eher gestylte Hausfrauen, die es ernst mit der Fitness meinen, neben Herren in Schlips und Kragen, die beim Lunchspaziergang Geschäftliches besprechen. Weniger gestylte Schulkinder müssen sich anhören, was ihre Lehrer über die zwölf Brücken, die den Willamette überspannen, zu sagen haben. Die sind von Konstruktion und Alter so vielfältig, dass Brückenbauingenieure ihre Freude haben. Am Nordende des Parks erinnert die Japanese-American Historical Plaza an unrühmliche Taten der US-Regierung gegen die japanischstämmigen Bürger im Zweiten Weltkrieg. Vor das schicke Sanierungsprojekt River Place am südlichen Ende des Parks schieben sich die Fontänen der Salmon Street Springs. Da wird geplanscht, mit Wasser gespritzt und gekreischt.top

Tag 5: Portland - Mt. St. Helens - Mt. Rainier National Park - Seattle (ca. 430 km)
Portland hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Das Portland Building von Michael Graves (1982) gilt als erstes grösseres postmodernes Gebäude der USA. Schon das Dunkeltürkis und Dunkelmagenta der Aussenfassade sind ungewöhnlich. Die Farben sollen den Bezug zur "natürlichen Welt" verkörpern. Innen gibt es eine Ausstellung über "Public Art in Portland".
Über dem Portal in der 5th Avenue thront Portlandia aus gehämmertem Kupfer, an Masse nur noch von der Freiheitsstatue übertroffen. Jetzt hockt die Riesendame mit den olympiareifen Armen und der einnehmenden Handbewegung da und soll "Mutter Erde" verkörpern. Der Betrachter wundert sich: Irgendwie will das kriegerische Weib nicht zur "Stadt der Rosen" passen. Auch die Inschrift im Bürgersteig hilft wenig dabei, den Bezug herzustellen. Jetzt kommt es darauf an, zum Pioneer Courthouse Square zu finden und dabei möglichst viel Public Art zu sehen. Die Fundstellen ballen sich an der Transit Mall der 5th Avenue mit Soaring Stones (zwischen Taylor und Yamhill Street), Cat in Repose (zwischen Morrison und Alder Street) und Kvinneakt (nahe Washington Street). Läuft man einen Bogen zur Alder Street (zwischen 3rd und 4th Avenue), so kann man dort 18 Aluminiumfische Upstream Downtown schwimmen sehen, während die Yamhill Street (zwischen 3rd und 4th Avenue) mit A Human Comedy und der Sprüchesammlung Street Wise aufwartet. Hat man noch das Spalier der vielgeliebten 24 Bronzetiere Animals in Pools an der Yamhill und Morrison Street abgeschritten, so steht man vor Pioneer Courthouse Square. Trotz seines herben Äusseren (der Stil wird als brutalistic bezeichnet) ist er für die Einheimischen das "Wohnzimmer Portlands". Sie kommen, um Konzerte zu hören, Gauklern zuzuschauen und, wie am "Earth Day" im April, zu demonstrieren.
Das Portland Art Museum ( 1219 S.W. Park at Jefferson) hat in seiner ständigen Sammlung teil an den Kunstwerken der Welt und zeigt oft bedeutende Sonderausstellungen. Das Oregon History Center (1200 S. W. Park Avenue) präsentiert mit "Portland!" eine eben­so schreiende Heimatkunde, daneben feine Sonderausstellungen. Im Oregon Museum of Science & Industry (OMSI, 1945 S.E. Water Ave.), mit dem Deutschen Museum in München vergleichbar, kann man sich von einem Erdbeben durchrütteln lassen. Dann sind da noch Cowboymuseum, Reklamemuseum, Rhododendrongarten usw. Portland ist eine Stadt, die zum Shopping einlädt. Die Firma Nike, mit Basis in Portland, hat ihre Niketown zur Galerie gestylt - schon der Eingang trägt Schwarz. Junge Verkäufer im "Outfit" inszenieren und zele­brieren die bekannte Sportbekleidung. Die Filialen von Made in Oregon (z.B. in der Downtown Galleria) bieten überteuerte Heimatprodukte feil, von denen sie glauben, dass Touristen sie gern mit nach Hause nehmen. Bei Paul Greve (nahe Pioneer Square) gehen Dukaten von der spanischen Galeone Atocha, zu Schmuck veredelt, an zahlungskräftige Kunden. In Nob Hill um die 21 st und 23rd Avenue mischen sich Designerläden, Boutiquen und Cafe-Bars unter feine Villen. Das Hoyt Arboretum im Washington Park ist eine der verkannten Perlen Portlands. Es besitzt mit 230 Arten die grösste Koniferensammlung der USA, dazu zehn Meilen Spazierwege, einen überdachten Picknickplatz und ein Visitor Center. In den International Rose Test Gardens stehen Tausende Rosenstöcke von 500 Sorten in Reihe.
Von Portland geht es zunächst weiter zum Mount St. Helens. Einst 2 950 Meter hoch, "schrumpfte" er durch den gewaltigen Vulkanausbruch am 18. Mai 1980 auf eine Höhe von 2 550 Metern. Der Ausbruch war die gewaltigste geologische Eruption in diesem Jahrhundert. 70 Menschen kamen dabei ums Leben, und fast 6 000 Quadratkilometer Wald fielen der Naturkatastrophe zum Opfer. Auch nach 1980 ist der Vulkan noch einige Male ausge­brochen, zweimal wurde das nur 80 Kilometer entfernt gelegene Portland von einer mehrere Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt. Im Jahre 1982 erklärte man ein 450 Quadratkilometer grosses Gebiet zum National Vulcanic Monument. Diese "Mondlandschaft", die durch den Vulkanausbruch entstanden ist, übt einen ganz eigenen Reiz aus.
Schon lockt der nächste Berg: der Mount Rainier Nationalpark ist das nun folgende Reiseziel des heutigen Tages. Die Einwohner von Seattle nennen den imposanten, majestätisch anmutenden Berg, der eine Höhe von 4 800 Metern erreicht, schlicht und ein­fach The Mountain, die Indianer gaben ihm den Namen Tahoma, was soviel bedeutet wie "Der Berg, der Gott war". Und von manch einem wird er auch "Rainiest" genannt, eine Anspielung auf die vielen Niederschläge, die in diesem Gebiet fallen. Mount Rainier ist vulkanisch, das letzte Mal ist er allerdings vor etwa 500 bis 600 Jahren ausgebrochen.
Dennoch zählt der Vulkan aufgrund seiner Nähe zu urbanen Zentren zu den 15 gefährlichsten Vulkanen der Welt und unterliegt einer fortwährenden seismologischen Kontrolle. Im Jahre 1899 wurde der Berg sowie ein 950 Quadratkilometer grosses Gebiet darum herum zum fünften Nationalpark der Vereinigten Staaten erklärt.
Im Visitors Center in Longmire, auf 800 Metern Höhe gelegen, erfahren Sie sehr viel Wissenswertes über die Region. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts siedelte sich die Familie Longmire dort an, die sich wegen der örtlichen Mineralquellen sehr für diese Gegend einsetzte. Am Mount Rainier bereitete sich übrigens Jim Whittaker mit seiner Crew auf die Besteigung des Mount Everest im Jahre 1963 vor. Der Berg beeinflusst das Klima Washingtons nachhaltig: Im westlichen Teil des Staates ist es sehr feucht, während die östlichen Regionen eher trocken sind, da sie im Regenschatten liegen. Vom Mount St. Helens fahren Sie wieder nach Seattle, wo Sie den letzten Abend Ihrer Amerikareise verbrin­gen werden.top

Tag 6: Seattle
Seattle - Urlaubsstadt Nummer eins. Wie denn das, bei all dem Regen? Halb so schlimm: es sind nur 940 Millimeter im Jahr, und die fallen, schön gleichmässig verteilt, haupt­sächlich in der kühlen Jahreszeit. Das ist weniger als in New York, Washington, Atlanta oder Houston und genauso viel wie in München.
Der Bürgermeister von Seattle jedenfalls, Norman Rice, lebt nicht nur hier, sondern macht hier am liebsten auch Urlaub. Fünfmal schon wurde Seattle zur "schönsten Urlaubsstadt der USA" gekürt, und immer mal wieder wird Seattle, genau wie Portland, zur "Most Livable City" der USA erklärt. Gegen den Regen hat das Seattle News Bureau ein Rezept: Regenbekleidung von "Peter Storm, Inc." oder "Wheather or Not".
Die besten Informationen über die Stadt erhält man im Convention Bureau in der Pike Street (800 Convention PI. Tel. (206) 461-5840). Von hier aus ist es nicht weit bis zum Pike Place Market, und auf dem Weg liegt auch noch das verkehrsberuhigte Westlake Center mit seinem bunten Treiben und "Starbucks", wo man unzählige Kaffeesorten beschnuppern kann. Apropos "Starbucks": Seattle ist kaffeesüchtig. Seit die Firma 1971 ihren ersten Laden am Pike Place eröffnete, sind 116 coffee Stands in Seattle hinzugekommen, das heisst, ein "Starbucks" für je zwei Häuserblocks. Das Novum waren: frisch geröstete, ganze Bohnen und Kaffee zum Probieren. Bei soviel Kaffee ist es kein Wunder, wenn man "Schlaflos in Seattle" ist.
Vom Westlake Center kann man sich mit dem Monorail in 90 Sekunden zum Seattle Center katapultieren lassen und erhält so einen guten Überblick über die Stadt. Die Space Needle steht da wie eine Frisbee-Scheibe auf Stäbchen. Der Blick aus 158 Meter Höhe ist aufregend, gigantisch, atemberaubend. Man umrundet das Aussichtsdeck hinter Plexiglas mehrmals. Unten schlagen Liliputaner Rad und bleiben platt auf dem Rasen liegen. Fatale Gedanken schleichen sich ein. Werden die Kaskadenvulkane ruhig bleiben? Wird diese Raumkapsel auf Spinnenbeinen dem erwarteten "Big One" standhalten?
Ein Spiel mit Landkarte für die ganze Familie: Welcher Wolkenkratzer, Freeway, See usw. ist das? Wo liegt unser Hotel? Welches ist Mount Adams, welches Mount Rainier, und wo liegen die Olympics? Wo blitzt Lake Union in der Abendsonne, auf dessen Hausbooten der Film Sleepless in Seattle gedreht wurde? Wie abrupt sich der Übergang von der City zum Niemandsland der Cityrandzone unten vollzieht! Unter der Plattform gibt es ein Drehrestaurant: Von Suppe bis Nachtisch entfaltet sich ein Panorama von 360 Grad.
Der Pike Place Public Market ist der älteste aktive Bauernmarkt in den USA. Seit 1907 tragen hier Farmer und Fischer frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch aus dem Umland zu Markte. MEET THE PRODUCER - heisst das Eingangsmotto auf alten Fotos. Am Wochenende gerät der Markt zum Volksfest. An allen Ecken hört man Musik. Fünf schwarze Herren singen (a cappella) von Jesus dem Herrn. Schwarzhaarige Indios mit Zopf und Hut spielen südamerikanische Folklore.
Sonntags stauen sich die Leute am Stand der Pike Place Fish Company. Hier herrscht reger Flugverkehr, und das geht so: Ein Kunde sucht sich in den Auslagen einen Fisch aus, der Mann "draussen" schleudert den Fisch nun einem Kollegen "drinnen" zu, und der fängt ihn gleich in Wickelpapier auf, wiegt ihn und packt ihn ein. Aber die Jungs können nicht nur werfen, sie brüllen auch rhythmisch dazu.
"Seattle ist nirgends schöner als vom Wasser her", meinen Argosy Cruises in ihrem Prospekt. Am Pier 55 starten die Schiffe ihrer weissen Flotte zur erholsamen einstündigen Hafenrundfahrt. Der Kapitän von Argosy erzählt von Geschichte, Geographie und Wirtschaft der Region. Der anheimelnd altertümliche Smith Tower war 1914 mit seinen 42 Stockwerken der höchste Wolkenkratzer westlich des Mississippi. Die Gäste im Edgewater Inn bei Pier 67 konnten früher vom Hotelfenster aus angeln, der Hotelkoch briet ihnen die Fische. Billiger als mit Argosy fährt man mit den Washington State Ferries.
Am Pioneer Square ist kein Gebäude älter als von 1889. Warum? Weil die ganze hölz­erne Innenstadt nieder brannte und aus rotem Backstein und Eisen wiederaufgebaut wurde. Im Waterfront Park liegt das Seattle Aquarium (Pier 59, Tel. (206) 386-4320), das die Meeresfauna von Puget Sound vorstellt, mit Rochen, Riesenkraken, Hundshaien, Seesternen, Aalen und Seeottern.
Eine besondere Attraktion stellt das Seattle Art Museum dar. Hier gibt es vor allem Sammlungen zur afrikanischen und amerikanischen Kunst, zur amerikanischen Moderne wie zur Kunst der Indianer der nordwestlichen Küste zu sehen. Ein hammerschwingendes Kunstobjekt, der Hammering Man von Jonathan Borofsky, markiert den Eingang zum Museum.
Ausdrucksstarke Totempfähle und Masken fangen den Blick bei den Küstenindianern. In den Pfählen hockt je ein Grizzlybär, darüber thront ein "Thunderbird" mit Krummschnabel. Es gibt ferner geschnitzte Hauspfosten, Kanus, Kleider, Körbe, Matten und Taschen zu sehen. Erstaunlich, wie diese vorindustriellen Handwerker ihre Textilien nur aus Wurzeln und Zedernrinde flochten! Der Totem-Baum der Nordwestindianer, die western redcedar, liefert das Material für Kanus, Körbe, Kleider. Eine Stärke des Museums liegt beim abstrakten Expressionismus, bei Pop Art und Minimalismus. Hier sind Kostproben von Jackson Pollock, Franz Kline, Mark Rothko, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu sehen. Die regionale Kunst des Nordwestens ist gut vertreten, zum Beispiel durch Mark Tobey und Morris Grave. Ihre Eigenart? Die Kunstwissenschaftler meinen: asi­atisch beeinflusste Ästhetik, mystischer Symbolismus und sparsamer Gebrauch von Farbe.
Im Klondike Gold Rush Museum (117 South Main Street, Tel. (206) 553-7220) erfährt man einiges über die Geschichte von Seattle, der Elliott Bay Bookstore & Cafe (First & Main Street) ist einer der interessantesten Buchläden im Nordwesten und eine Legende in puncto Auswahl und Atmosphäre.
Im International District (so lautet die politisch korrekte Bezeichnung für Chinatown) kann man ein wunderbares Dim Sum Lunch (warme, chinesische Vorspeisen) zu sich nehmen. Musikkneipen mit Post-Grunge oder Jazz gibt es in Belltown, auf Capitol Hill oder am Pioneer Square. Grunge und Seattle gehören zusammen, seit die Plattenfirma Sub Pop aus Seattle 1991 die Gruppe Nirvana herausbrachte. Diese trug ihre wilde Botschaft von Metal, Punk und Lebenstrauer in die Welt. Als sich der Leadsänger der Gruppe, Kurt Cobain, 1994 erschoss ("No, I don't have a gun", singt er in einem seiner Songs), fragten sich seine Anhänger erschrocken, ob das die logische Folge seiner wütenden Vocals, gepressten Schreie und grimmigen Gitarrenschläge war. Inzwischen hat das getrübte Lebensgefühl des grunge rock einer Art "Post Grunge" Platz gemacht, der von Gruppen wie Soundgarden, Pearl Jam oder Mudhoney (alle aus Seattle) vertreten wird.
Auch die Fans haben sich geändert. Schlabberlook, ausgebeulte Hosen, grobkarierte Flanellhemden und klobige schwarze Stiefel sind out, schicke Outfits in. In den Clubs von Seattle bemerken Beobachter eine Rückkehr zur gepflegten lounge music der 60er Jahre. Sie nennen es "Cocktail Culture".top

Tag 7: Seattle - Vancouver (ca. 224 km)
Vancouver ist sogar für kanadische Verhältnisse noch sehr jung. Die ersten weissen Seefahrer, Spanier und Engländer, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Westküste Kanadas erforschten, segelten mit schöner Regelmässigkeit achtlos an der Mündung des Fräser River vorüber. Auch später blieb die dicht bewaldete Halbinsel zwischen dem Fräser und dem Meeresarm Burrard Inlet lange links liegen. Fort Victoria auf Vancouver Island war der Sitz der "Hudson's Bay Company" - auf dem Festland wurde nur ein kleiner Handelsposten weiter stromaufwärts am Fräser River angelegt, genannt Fort Langley.
Als 1858 der Goldrausch über British Columbia hereinbrach, wurde New Westminster, heute ein Vorort von Vancouver, zur Hauptstadt der neuen Festlandskolonie British Columbia erklärt. An der Stelle der heutigen Innenstadt von Vancouver türmten sich nach wie vor dichte Wälder aus Douglasien und Cedars - Anlass für ein kleines Sägewerk um 1870. Erst der Bau der transkanadischen Eisenbahn löste schliesslich die Gründung der Stadt aus: 1886 beschloss die "Canadian Pacific Railroad", ihre Schienen bis zum Ufer des Burrard Inlet zu legen. Ein Spekulations- und Bauboom war die Folge, und noch im selben Jahr wurde Vancouver gegründet. Bald dampften grosse Frachter und Passagierschiffe von Vancouver nach San Francisco, Japan und China, brachten endlose Güterzüge Weizen und Kohle zur Verschiffung in die aufblühende Hafenstadt. Die Bevölkerung verdoppelte sich damals etwa alle fünf Jahre. 1912 lebten bereits 120 000 Menschen in der Stadt. Der Erste Weltkrieg löste zwar eine kurze Rezession aus, doch in den 20er Jahren ging es steil bergauf. 1930 war Vancouver die drittgrösste Stadt Kanadas, nach Montreal und Toronto. Ein Titel, den es bis heute hält. Die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre brachte noch einmal harte Zeiten, doch seit dem Zweiten Weltkrieg boomt die Stadt ohne Atempause.
Rund 1,8 Millionen Menschen leben heute in der Metropole, und dank des milden Klimas und des hohen Freizeitwertes der Stadt ist Vancouver heute beliebter als je zuvor. Es ist unbe­stritten das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum West-Kanadas. Besonders das letzte Jahrzehnt hat verstärktes Wachstum gebracht: einen Wirtschaftsboom dank der Weltausstellung 1986 und eine ungeahnte Einwanderungswelle aus Asien. Allein 70 000 Immigranten kamen aus Hongkong, dessen Bewohner die nahende Übernahme durch China fürchten. Und es sind nicht die Ärmsten, die kommen - Geschäftsleute, Banker und Fabrikanten erkaufen sich den kanadischen Pass durch kräftige Investitionen in ihrer neuen Heimat. Es gab sogar schon den Plan, eine der Inseln vor Vancouver zu einem neuen Hongkong auszubauen.
Vorschläge für eine Stadterkundung:
Kanadas "Perle am Pazifik" wird oft mit San Francisco verglichen. Dank der bergum­rahmten Lage und der "manikürten" Parks und Gärten schneidet Vancouver in diesem Vergleich recht vorteilhaft ab. Nur in weltstädtischem Flair und beim Nachtleben hinkt es noch etwas nach. Doch das kann ja noch kommen - San Francisco ist schliesslich gut 100 Jahre älter.
Heute haben Sie Gelegenheit, sich selbst ein Urteil zu bilden. Wie viele der nachfolgend beschriebenen Sehenswürdigkeiten Sie tatsächlich besichtigen und wo Sie eventuell einen Stopp einlegen, hängt von Ihnen selbst ab.
Eine Möglichkeit, mit dem heutigen Vancouver Tuchfühlung aufzunehmen, bietet sich entlang der Robson Street, der Hauptgeschäftsstrasse der Stadt. Bis noch vor etwa 30 Jahren war dieses Viertel fest in deutscher Hand - deutsche Geschäfte, deutsche Restaurants, und die Robson wurde "Robsonstrasse" genannt. Heute heisst sie wieder Robson Street und hat sich zur beliebten Flaniermeile gemausert mit schicken Boutiquen, Strassencafes und CD-Läden.
Von Westen her führt die Robson Street stracks auf den Hauptplatz Vancouvers zu, den Robson Square. An seiner Südseite liegt hinter begrünten Terrassen der moderne, 1979 erbaute Glaspalast des Court House, ein frühes Glanzstück des Architekten Arthur Erikson. Die Nordseite des Platzes wird dominiert von der Kuppel des alten Gerichtsgebäudes, in dem heute die Vancouver Art Gallery untergebracht ist.
Auf der Granville Street, einer grossen verkehrsberuhigten und begrünten Geschäftsstrasse, oder auf der Howe Street geht es dann weiter nach Nordosten in die ältesten Bezirke der Stadt. Um 1900 lag das Stadtzentrum am Ufer des Burrard Inlet nordöstlich der heutigen Downtown. Die Granville Street war damals die Grenze zwischen Geschäfts- und Hafenviertel im Osten und den Wohnbezirken im Westen. Erst in den 20er Jahren  begann der  Boom,  der Geschäfte,   Büros  und  die  Kontore der zahlreichen Schifffahrtslinien nach Westen verlagerte. Ein glanzvolles Beispiel für den Wohlstand der damaligen Händler ist das Marine Building an der Ecke Hastings und Burrard Street, ein prachtvoller Art-deco-Bau mit charakteristischem Pyramidendach.
Wenige Schritte von diesem historischen Kleinod steht am Ufer des Burrard Inlet ein weiteres, viel jüngeres Schmuckstück der Skyline, das Canada Place, das der deutschstäm­mige Architekt Ed Zeidler für die Weltausstellung 1986 entwarf. Wie schneeweisse Segel erheben sich die Dachspitzen des heute als Kongresszentrum und Kreuzfahrerpier genutzten Baues über dem Wasser des Burrard Inlet.
Noch besser ist der Rundblick von der Spitze des hoch aufragenden Harbour Centre an der Hastings Street. Vom Shopping Centre im Untergeschoss des Hochhauses fährt ein Aussenaufzug zur Aussichtsplattform hinauf. Von hier oben überschaut man die meerum­schlungene Lage Vancouvers besonders gut. Vier Strassen weiter östlich entlang Hastings und Pender Street beginnt die Chinatown - die grösste Kanadas und in Nordamerika nur noch von San Francisco übertroffen. Sehenswert ist hier nicht nur das quirlige Leben in den Läden und Restaurants, sondern auch die Architektur.
Nach einem fernöstlichen Lunch kann man durch die Water Street, die durch Gastown, den ältesten Bezirk Vancouvers, führt, bummeln. Dieses ehemalige Hafenviertel wurde nach "Gassy Jack" Jack Deighton benannt, einem Saloonbesitzer, der mit seinen Whiskyfässern angeblich einst die ersten Holzfäller anlockte - und damit die Stadt gründete. Als sich nach der Jahrhundertwende das Stadtzentrum westwärts verlagerte, begann Gastown zu verfallen. Eine in den 60er Jahren dort geplante Autobahn konnte jedoch durch heftige Bürgerproteste verhindert werden. Händler und Privatleute machten sich an die behutsame Restaurierung von Gastown. Trotz mancher Probleme war die Wiederbelebung des historischen Viertels erfolgreich: Restaurants und Läden drängen sich heute in den ziegelgepflasterten Innenhöfen. Gastown ist zum Besuchermekka avanciert.
Ein weiteres Schmuckstück Vancouvers ist der Stanley Park. Die gut 400 Hektar grosse, der Innenstadt vorgelagerte Halbinsel zwischen English Bay und Burrard Inlet war ursprünglich ein Marinestützpunkt der Royal Navy. Aber bereits 1888 überliess die britische Regierung gegen einen symbolischen Pachtzins das dicht bewaldete Gelände der Stadt als Erholungsgebiet für ihre Bürger. So ist der nach Lord Stanley, dem damaligen Generalgouverneur Kanadas, benannte Park das älteste und ohne Übertreibung schönste städtische Erholungsgebiet West-Kanadas, nicht zuletzt seines alten Baumbestands und der herrlichen Ausblicke wegen.
Kurz hinter der Landenge zwischen der Downtown und dem Stanley Park beginnt der Stanley Park Drive, der als gemächliche Einbahnstrasse den gesamten Park umrundet und nacheinander die Sehenswürdigkeiten der Halbinsel passiert: den Yachthafen Coal Harbour, eine Gruppe originaler Totempfähle, Tribut an die einstigen Herren dieser Region, an der Ostspitze den Leuchtturm Brockton Point und schliesslich die imposante Lions Gate Bridge, die sich zum Nordufer des Burrard Inlet schwingt. Durch Wälder im Nordwesten und vorbei an ausgedehnten Grünflächen im Westteil des Parks führt die Strasse, ehe sie dann wieder in die Innenstadt gelangt.
Überquert man die Lions Gate Brücke und folgt der Capilano Road nach Norden, erre­icht man die Capilano Suspension Bridge.  Die 70 Meter hohe, fast 140 Meter lange Hängebrücke überspannt seit mehr als 100 Jahren den Capilano River. Das Ganze ist allerd­ings eine recht "wacklige" Angelegenheit, denn die Konstruktion gerät beim Betreten ganz schön ins Schwingen.top

Tag 8: Vancouver - Kamloops (ca. 428 km)
Zunächst geht es am Morgen durch New Westminster, die älteste Stadt in British Columbia. 1858, als sich in Vancouver noch Schwarzbär und Elch gute Nacht sagten, war New Westminster am Nordufer des Fräser River die Hauptstadt der Kolonie, und Tausende von Goldgräbern zogen von hier in die Cariboo-Region. Die Eisenbahn stoppte 1885 den Schiffsverkehr und damit die weitere Karriere der Hafenstadt. Vancouver wurde zur Endstation der Transkanada-Linie erklärt und New Westminster zum Vorort der Pendler degradiert.
Wenig später schwingt sich der Trans-Canada Highway im hohen Bogen der rostroten Port Mann Bridge über den mächtigen Fräser River. Schon die Pelzhändler der "Hudson's Bay Company" erkannten vor 150 Jahren die Fruchtbarkeit dieser Region; sie gründeten am Südufer des Fräser Fort Langley, um Pelze zu verschiffen und um ihre Trapper im Hinterland mit Lebensmitteln zu beliefern. Und das satte reiche Bauernland setzt sich fort: Aldergove, Abbotsford. Die grünen Felder und Plantagen bestimmen das Landschaftsbild, adrette Scheunen mit roten Scheunen und silbernen Silos säumen den Highway.
Fast greifbar über dem Highway eine weisse Wolke: der Schneegipfel Mount Baker im US-Bundesstaat Washington. Wie eine Vision des Fuji steigt der ebenmässige Kegel des Dreitausenders aus dem blauen Dunst über den Horizont. Er ist der nördlichste in der Vulkankette der Cascade Range, deren Mount St. Helens 1980 Feuer spuckte und halb Washington unter seiner Asche begrub. Mount Baker schläft, heisst es...
Weiter geht es am Ufer des Fräser entlang. Das lange, schmal zulaufende Tal des Lower Fräser wirkt wie ein Trichter, der die vom Pazifik hereinziehenden, regenschweren Wolken an den steilen Hängen am Ostende bündelt. Das saftige Grün der Wälder kommt nicht von unge­fähr.
Bei Hope beginnt das untere Fraser-Tal. Noch 150 Kilometer rollt der river breit und braun im flachen Tal zum Pazifik. Stromaufwärts von Hope dagegen liegt der schmälste, wildeste Teil des Tals, der Fräser Canyon. Dort musste der Namensgeber Simon Fräser 1808 mühsam die Schlucht durchklettern und dort verdiente sich der gefährliche Fräser auch den Namen river of no return - jener "Fluss ohne Wiederkehr", den Marilyn Monroe in ihrem Hollywood-Klassiker so schmachtend besang und turbulent befuhr. Die Dreharbeiten zum Film fanden allerdings anderswo statt. Das gemütliche 4000-Seelen-Städtchen Hope – die Pelzhändler hatten es bei der Gründung 1848 tatsächlich in der "Hoffnung" auf eine gute Route ins Landesinnere so benannt - kann aber auch eigenen Filmruhm anbieten. Es war so typisch für ein verschlafenes Bergnest, dass Hollywood es 1981 als Drehort für "Rambo" wählte, worauf die Hopianer noch heute stolz sind. Es regnet viel in dieser Gegend, und diese Feuchtigkeit war wohl schuld an einer weiteren "Attraktion" von Hope: Im Januar 1965 don­nerten nach einem kleinen Erdbeben in einem gewaltigen Bergrutsch 46 Millionen Kubikmeter Fels zu Tal. Vier Menschen kamen im Hope Slide ums Leben, das Bachbett und der See wurden bis zu 80 Meter hoch zugeschüttet.
Auf dem Weg von Vancouver verläuft der Trans-Canada Highway fast stets in Sichtweite des Schienenstrangs der "CPR" und des Fräser River, der inzwischen nur noch ein schmales Rinnsal bildet. Vorbei an kleinen Siedlungen wie Yale, Spuzzum und Boston Bar, die nur wenige hundert Einwohner haben, geht es zügig in Richtung Berge.
Die 300-Seelen-Gemeinde Spences Bridge bildet so etwas wie die "Whitewater Rafting"-Kapitale der Region am Thompson River bis Kamloops. Eine Stunde Wildwasserfahren zum Kennlernen ist bei den zahlreichen Veranstaltern am Ort für gut 20 Dollar zu haben. Lytton, am Zusammenfluss von Fräser und Thomson River, steht da nicht nach.
Der Highway folgt nun fast schnurgerade dem Thompson River. Erst mal bis Cache Creek, ein Strassendorf am Trans-Canada Highway voller Werbeschilder und Ketten-Motels. Im Sommer kann es in dieser Region richtig heiss werden und die Klimaanlage im Auto die einzige Rettung sein. Das ausgedörrte Land ist fruchtbar, doch muss es vom Fluss her bewässert werden. Bei Walhachin begleiten rechter Hand die hölzernen Ruinen eines Aquädukts den Weg - Reste von Bewässerungsanlagen, mit denen um 1900 englische Siedler hoffnungsvoll Felder anlegten. Im Ersten Weltkrieg kehrten sie nach Europa zurück, und ihr grünes Paradies verfiel. Wenig später beginnt der Kamloops Lake, auf dem der Wind seltsame Muster zeichnet. Vom Aussichtspunkt hoch über dem Wasser fällt der Blick auf ver­witterte Klippen und grüne Plantagen, die wie ein Flickenteppich das Südufer säumen. Unser Tagesziel, Kamloops, ist heute mit rund 150000 Einwohnern ein wichtiger Industrie- und Verkehrsknotenpunkt und zugleich die grösste Stadt im Landesinneren der Provinz, ausser­dem eine klassische Rancherstadt.top

Tag 9: Kamloops - Jasper National Park (ca, 450 km)
Von Kamloops geht es weiter nach Norden und dann über den malerischen Yellowhead Highway, der seinerseits dem Thompson River treu bleibt - durch die Region der Cariboo Mountains, die mit abenteuerlichen Goldgräbergeschichten aufwarten kann. Kilometer für Kilometer breiten sich ringsum grüne Berge und rauschende Flüsschen aus.
Zeit genug, um der geplagten Pioniere zu gedenken, die sich hier vor 130 Jahren durch die Wildnis schlugen. Für die Strecke von Kamloops nach Jasper, heute eine gemütliche Tagesstrecke, benötigten Dr. Cheadle und Viscount Milton, die beiden ersten "Touristen" in British Columbia, 1863 fast eineinhalb Monate. Ein Jahr zuvor zogen hier Goldsucher vorüber auf dem Weg zu den Schätzen von Barkerville. Von Winnipeg aus hatten diese overlanders zu Pferd und zu Fuss die Prärien und die Rockies überquert, ehe sie schliesslich am Oberlauf des Thompson River Flösse bauten und parallel zur heutigen Highway-Route nach Süden drifteten. Praktisch zu Füssen des mächtigen Mount Robson, der höchsten Bergspitze in den kanadischen Rocky Mountains (3954 Meter), beginnt der Jasper National Park und bald begleitet der Moose Lake die Fahrt. Aus ihm holt sich der (hier noch junge, saubere und spitzige) Fräser River seine erste Kraft für die ihm bevorstehende lange Reise nach Süden, wo er nach fast 1 400 Kilometern bei Vancouver breit und träge in den Pazifik mündet. Dann der mit seinen 1 131 Metern völlig unspektakuläre Yellowhead Pass, wo Sie Ihre Uhr umstellen müssen, denn beim Übergang von der Pacific Time Zone zur Mountain Time Zone verlieren sie eine Stunde. Der bequeme, niedrige Pass war seit Jahrtausenden eine wichtige Handelroute der Indianer. Später benannten die Pelzhändler diese Route nach dem irokesis­chen Trapper Pierre Hatsination, ein Halbblut, der wegen seines blonden Haarschopfs den Spitznamen Tete Jaune trug - im Englischen yellow head. (Auf dem Weg hierher lag ein Dorf mit diesem Namen: Tete Jaune Cache.)
Schliesslich Jasper. Der Ort, malerisch zwischen 3 000er Gipfeln gelegen und eingebet­tet ins Tal des Athabasca River, geht auf William Henry, einen Mitarbeiter des Forschers David Thompson, zurück. Die von ihm 1811 errichtete Unterkunft namens "Henry House" wurde wenig später auch von Pelzhändlern genutzt, um nach der Überquerung des Athabasca-Passes wieder Kraft zu tanken. 1813 wurde eine weitere Station errichtet, die man nach dem Gründer Jasper Hawes "Jasper House" nannte. Erst 1911 blühte das heutige Jasper Town durch den Bau einer Bahnarbeitersiedlung auf. Die Grand Trunk Railway, die Prince Rupert an der Westküste mit dem Landesinneren verbinden sollte, verlegte ihren Schienenstrang durch den Ort. Heute ist Jasper, mit 4 000 Einwohnern immer noch relativ ruhig, in erster Linie Ausgangspunkt für Fahrten und Wanderungen im Jasper National Park. Seine Anfänge datieren schon aus dem Jahr 1907.top

Tag 10: Jasper National Park - Lake Louise - Banff National Park  (ca. 290 km)
Die heutige Etappe bildet sicher einen Höhepunkt der Reise, Vor uns liegt der Icefields Parkway, die berühmteste Panoramaroute Kanadas. 230 grandiose Strassenkilometer auf dem Hwy. 93 durch die schönsten und höchsten Regionen der Rocky Mountains - ein Leckerbissen für alle Bergfexe.
Die 1940 nach neunjähriger Bauzeit eröffnete Alpinstrecke war ursprünglich ein Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung während der great depression. 1962 wurde die Strasse ausgebaut, zahllose Aussichtspunkte angelegt und die Höchstgeschwindigkeit auf gemächliches Sightseeing-Tempo festgelegt.
Bei der Fahrt auf dem Parkway jagen sich die Aussichtspunkte über Wasserfälle und Berge: Athabasca Falls, Athabasca Valley, Sunwapta River, Sunwapta Gorge. Der Fotoapparat kommt nicht zur Ruhe. Vor allem, wenn wieder mal Tiere am Strassenrand zu sehen sind: salzleckende Bergschafe oder zottelige Bergziegen im fleckigen Sommerfell.
In den breiten, waldreichen Tälern im Banff Park leben die Tiere meist weit verstreut und sind im Unterholz schwierig auszumachen. Im Jasper National Park dagegen bieten nur wenige Talsohlen guten Lebensraum für die Tiere, so dass hier die Chancen zur Beobachtung sehr gut sind. Vor allem Wapiti-Hirsche, oft mit kapitalem 18endigem Geweih, wird man im lichten Kiefernwald des Athabasca Valley zu sehen bekommen. Elks nannten die weissen Einwanderer die Wapitis, doch sie sind Hirsche und haben mit Elchen nichts zu tun. Manchmal wetzt auch ein Schwarzbär im Galopp über den Highway, und im Frühjahr steigen sogar die braunen, struppigen Grizzlies zum Äsen herab in die bereits schneefreien Täler. Der Hunger treibt die muskelbepackten Kolosse ins Tal.
Durch das tiefe Tal des Sunwapta River geht es weiter über graubraune Moränenhügel zum unbestrittenen Höhepunkt des Icefield Parkway: dem Athabasca Glacier. In einem nack­ten, windumtosten Hochtal zwischen 3000er-Gipfeln leckt die Gletscherzunge gut sechs Kilometer bis in die Talsohle herab; in eine urweltliche Moränenlandschaft, die dem fröstel­nden Betrachter klar macht, dass die letzte Eiszeit noch nicht so lange her ist.
Der Athabasca-Gletscher fliesst aus dem riesigen Columbia Icefield, das in über 2800 Meter Höhe auf dem Grat der Rocky Mountains liegt. Mit über 300 Metern Dicke und auf einer Fläche von 325 Quadratkilometern bedeckt diese grösste Ansammlung von Eis südlich des Polarkreises die Täler und Berge an der kontinentalen Wasserscheide.
Schöner als die schmutziggraue Stirn des Gletschers ist die blendendweisse Schneefläche weiter oben, wo sich blaugrün schimmernde Gletscherspalten auftun und der kalte Boden ständig knackt und gluckert. Mit dem "Snocoach", einem Spezial­Raupenfahrzeug, können Sie bei geeignetem Wetter eine Exkursion auf das Eis unternehmen, eindrucksvoll und sicher - auch für Turnschuh-Touristen.
Bei der Weiterfahrt auf dem Icefields Parkway gelangen wir jenseits der Baumgrenze hinauf zum Sunwapta Pass, der Grenze zwischen den Nationalparks Jasper und Banff.
Danach geht es von dem 2 035 Meter hohen Pass stromabwärts am Saskatchewan River, der bei Saskatchewan River Crossing durch die Berge nach Osten bricht und seinen 3000 Kilometer langen Lauf durch die Prärien zur Hudson Bay antritt. Breite, vegetationslose Kiesbänke zeugen von den grossen Überschwemmungen des Flusses zur Schneeschmelze.
Neue Gipfel, neue Aussichten. Links ragen die schroffen Quartzsandsteinpfeiler des Mount Murchison auf. Im stillen Waterfowl Lake spiegelt sich die ebenmässige Pyramide des Mount Chephren. Der Highway führt nun zum Mistaya River, der durch mehrere kleine Seen nach Norden fliesst. Gemütlich geht es weiter, in grossen Serpentinen hinauf zum Bow Pass und zum Bow Summit, dem mit 2088 Metern höchsten Pass am Icefields Parkway. Es folgen einige Seen, darunter der grosse Bow Lake, in den der Bow Glacier herabstürzt. Das knall­rote Dach der Num-Ti-Jah-Lodge am Seeufer setzt genau den richtigen Farbklecks fürs Erinnerungsfoto. Dann Herbert Lake und Hector Lake. Wir fahren weiter und kommen durch dichten, tiefgrünen Nadelwald, über den nur hin und wieder weisse Gipfel spitzen. Auf der Strecke liegen rechter Hand (also im Westen) die bis über 3600 Meter hohen Main Ranges, Hauptkamm und Rückgrat der Rockies. Linker Hand begleiten uns die niedrigeren Front Ranges, die mancherorts schon die letzte Bergkette vor den Prärien im Osten sind.
Nach etwa 15 Kilometern erreichen wir, ein Stück abseits des Trans-Canada Highway, ein eher unscheinbares Dorf und schliesslich das eigentliche Ziel unserer heutigen Tagesetappe: Lake Louise - Bergjuwel, schönster Gletschersee der Rocky Mountains, "Königssee" Kanadas. Nach einer indianischen Sage ist am Grund des Sees der Regenbogen mit all seinen Farben zu Hause, und manchmal bei Sonnenaufgang strahlt er aus der Tiefe zum Betrachter empor. Die dunklen Wälder und firnschneeweissen Gipfel spiegeln sich dann im milchig-grünen Wasser, und die ersten Strahlen der Sonne lassen blitzende Lichter auf den Wellen tanzen. Der kaum zwei Kilometer lange Bergsee ist nicht nur einer der schönsten, sondern mit Sicherheit auch der beliebteste Postkartensee in den Rockies. Seitdem der erste weisse "Tourist", der Bahnarbeiter Tom Wilson, 1882 von einem Indianer hierher geführt wurde, haben angeblich über eine Milliarde Menschen den Ausblick hier genossen. Das scheint zwar etwas übertrieben, doch wenn man von Lake Louise Village aus dem Tal die Serpentinenstrasse heraufklettert und die riesigen Parkplätze sieht, kommt man ins Zweifeln, ob es nicht doch stimmen könnte.
Lake Louise hat eine lange Geschichte als Kur- und Ferienort. Die "Canadian Pacific Railroad" hatte am Seeufer ähnlich wie in Banff ein kolossales Prunkhotel gebaut. Schon vor 100 Jahren wurden ganz in europäischer Manier die ersten Spazierwege angelegt und Teehäuser an den schönsten Aussichtspunkten. Aus der Schweiz importierte Bergführer geleiteten gentlemen und ladies von britischem Adel zu Bergpartien. Damals wurde der See nach Louise getauft, der Tochter Queen Victorias. Ein treffender Name, denn der "Mutterberg" dahinter ist Mount Victoria, dessen Gletscher den See gebiert.
Vom Louisen-See geht es zurück ins Tal nach Lake Louise Village, und wir machen uns auf nach Banff. Über den Trans-Canada Highway, der dem Tal des Bow River nach Süden folgt, sind die 50 Kilometer zum quirligen Hauptort des Nationalparks schnell zu bewältigen. Die vierspurige Strecke erlaubt grossartige Aussichten auf die im Abendlicht rötlich glühenden Zinnen des Castle Mountain und das Flusstal des Bow River. Als Alternativroute bietet sich auf der Ostseite des Bow Valley der Hwy. 1A an, der als Bow Valley Parkway beschaulich durch Kiefernwälder und Wiesen nach Banff bummelt.
Das Städtchen Banff gilt als "Garmisch" in den Rockies. An der Banff Avenue reihen sich Läden, Restaurants und Hotels; im Warenhaus der "Hudson's Bay Company" liegen die tra­ditionellen Wolldecken und Holzfällerhemden aus, im Andenkengeschäft nebenan erhält man Holzschnitzereien von Trappern und Indianern, Silberlöffel und Aschenbecher mit Bergmotiven. Ein paar Schritte weiter können sich die Wanderer mit der neuesten Bergmode ausrüsten, daneben wird Jadeschmuck aus British Columbia feilgeboten und erlesenes Pelzwerk für die finanzkräftige Klientel aus Japan.
Da die Stadt mitten im Nationalpark liegt, ist das Wachstum schon seit langem begren­zt: Ausserhalb des kleinen Stadtgebietes darf sowieso nicht gebaut werden, und in der Stadt ist kein Platz mehr. Daher gibt es durchaus noch ruhige Wohnstrassen mit alten Häusern für die 5000 ständigen Bewohner und ruhige Plätzchen am Ufer des Bow River. An der Banff Avenue dagegen wird noch gebaut - umgebaut vor allem. Mal in alpenländischem Stil, mal mit Glas, Beton und Neonröhren in postmoderner Shopping-Mall-Architektur. Kunterbunt eben.
Vor lauter Farben, Formen und emsigem Gewirr vergisst man leicht, den Blick über Schaufenster und Blumenkästen zu heben. Erst am Südende der Brücke über den Bow River, dort, wo die Gartenanlagen des Parkhauptquartiers beginnen, weitet sich das Gesichtsfeld wieder, und der Blick zurück über die Banff Avenue versöhnt: Mount Norquay, ein mächtiger Bergkoloss, thront über dem Nordende der Strasse, hinter uns türmen sich die gekippten Felsschollen von Sulphur und Rundle Mountain, nach links und rechts dehnt sich die flache Talsohle des Bow Valley zwischen weiteren, bis auf 3000 Meter reichenden Bergen. Die Stadt Banff ist nur ein winziger Teil des Nationalparks, ringsum regiert die Natur. Und so sollte man den Ort Banff auch verstehen: als Basislager für Exkursionen in die unberührte Hochgebirgswelt des Parks.top

Tag 11: Banff - Kootenay National Park - Kalispell (ca. 475 km)
Der Banff Windermere Highway verabschiedet sich bald von seinem transkanadischen Kollegen und geht eigene Wege: der Länge nach durch den Kootenay National Park und anschliessend parallel zur Westflanke der Rocky Mountains nach Süden. Vom Vermilion Pass aus kann man immer noch die Wiederaufforstungen erkennen, mit denen nach den schlim­men Waldbränden 1988 begonnen wurde. Der wild- und wasserreiche Gebirgspark bietet eine Menge bietet zahlreichen Möglichkeiten, die Fahrt zu unterbrechen. Etwa beim Marble Canyon, einem sogenannten slot canyon, also einer tief eingeschnittenen Schlucht, die der Tokumm Creek in den Kalkstein gefressen hat. Der Paint Pots Nature Trail führt zu drei kalten eisenhaltigen Mineralquellen, deren farbige Tonablagerung schon von den Indianern zur Körperbemalung benutzt wurde. Zu einer willkommenen Entspannungspause laden die Radium Hot Springs Pools ein. Den heissen Quellen im knallig ockergelben Sinclair Canyon nahe dem Parkeingang haben schon die Indianer wundersame Heilkraft zugeschrieben. Jetzt kann das warme Wasser sein belebendes Werk an den vom Autofahren steifen Gliedern von uns Bleichgesichtern tun.
Südlich von Radium Hot Springs folgt der Highway dem breiten Tal des Columbia- und Kootenay River, während er unterwegs mal das eine, mal das andere Ufer des Windermere Lake und des Columbia Lake streift. Dieses ausladende Tal ist Teil der sogenannten Rocky Mountain Trench, eines uralten Grabenbruchs, der die Grenze zwischen den 60 Millionen Jahre jungen Rocky Mountains im Osten und den viel älteren Columbia Mountains im Westen bildet. Invermere, Windermere, Fairmont, lauter kleine Erholungsorte mit Ferienhotels, hüb­schen Seen und weitläufigen Golfplätzen. Zuletzt kommt der Columbia Lake, der Ursprung des mächtigen gleichnamigen Stroms, der sich von hier 2 000 Kilometer durch die Berge windet, ehe er bei Portland im US-Bundesstaat Oregon in den Pazifik mündet - der grösste Fluss im pazifischen Nordwesten Nordamerikas.
Kurioserweise fliesst keine zwei Kilometer vom Südende des Sees der Kootenay River vorüber und im Rocky Mountain Trench weiter nach Süden. Nach langem Umweg durch den Süden von British Columbia, Montana und Idaho mündet er schliesslich doch in den Columbia River. Warum hat er es sich nicht leichter gemacht?
Durch dünnbesiedeltes Ranchland geht es nach Fort Steele zu einem bunten Historienbummel durch die Pionierzeit der Kootenay-Region. Und es sind keine toten Ruinen, die uns im Fort Steele Provincial Heritage Park erwarten, sondern eine mit viel Liebe zum Detail wiederbeatmete ghost town mit quicklebenden Geistern.
Bald danach beginnt sich der Fluss zu verbreitern - das Nordende eines 110 Kilometer langen Stausees, der tief in den USA am Libby Dam anfängt. Sein Name, Lake Koocanusa, klingt zwar recht indianisch, ist aber ein grauenvolles Kunstwort aus Kootenay, Kanada und USA.
Welcome to Montana, heisst es an der kleinen Grenzstation Port of Roosville, doch hin­ter der Grenze ändert sich nicht viel. Meist donnern Holzlaster die kurvige Strasse entlang, unterwegs zu Sägewerken in Montana. Die einsame Nordwestecke dieses Staates ist geprägt von Gletschertäler, dichtbewaldet und flussreich. Dazwischen schläft Eureka mit ein paar Tankstellen vor sich hin, zusammen mit ein paar restaurierten Pionierbauten, die man zur besseren Wirkung an eine Stelle verfrachtet hat, ins "Historical Village", einem kleiner Geschichtspark am Südende der Stadt.
Die Züge der Eisenbahngesellschaften AMTRAK und Burlington Northern rattern immer noch durch Whitefish, wo von Anfang an Holz verladen wurde. Die Holzindustrie lebt auch heute noch weiter, aber Whitefish hat sich längst zum Wintersportkurort gemausert, was auf eine attraktive Umgebung mit Bergseen, Wanderwegen, Flüssen zum Angeln und ein Alpenpanorama verweisen kann. Big Mountain, ein über Zweitausender und gleich nebenan, gilt bei den Skihasen als die Nummer eins. Das Städtchen rühmt sich im übrigen, den einzi­gen Bau von Frank Lloyd Wright in Montana zu haben, und zwar in Gestalt eines Bank- und Bürohauses aus den 50er Jahren (Central Ave., Ecke 3rd St.)
Kalispell (ein indianisches Wort für "Prärie oberhalb des Sees") wimmelt von Shopping Centers und Fast-Food-Schuppen. Einige viktorianische Oldtimer an der Main Street sorgen für etwas ästhetische Versöhnung. Dort steht ebenfalls die Conrad Mansion, eine elegante dreistöckige Villa in bestem Zustand, 1852 von Charles Conrad, dem Gründer der Stadt errichtet, der es als Spediteur zu beträchtlichem Reichtum gebracht hatte.top

Tag 12: Kalispell - Glacier National Park - Missoula (340 km)
Unser Alpintag beginnt am Westportal des Glacier National Park beim Örtchen West Glacier. Schon bald schimmert die silbrige Fläche des Lake McDonald durch die Bäume. Kein Windhauch trübt am Morgen die glasklaren Fluten, in denen sich Reihe um Reihe der blauen Gipfel spiegeln - die beliebteste Postkartenansicht des Parks.
Man sollte unterwegs so oft es die Zeit erlaubt anhalten, aussteigen kleine Wanderungen einlegen oder einfach am Ufer eines Sees oder Baches sitzen und staunen: am McDonald Creek zum Beispiel, dem die Strasse vom Lake McDonald in die Berge folgt und der in tausend Kaskaden über die Felsen springt. Auch zum Wandern bietet sich bald Gelegenheit. Der Pfad des Trail of Cedars schlängelt sich durch uralten Wald zum stimmungsvoll umgrün­ten Wasserfall des Avalanche Creek. Sogar einige Rehe komplettieren meist die Waldidylle.
Trotzdem, die grosse Einsamkeit lässt sich auf den kurzen Wanderwegen an der Strasse kaum erleben. Dazu ist der Park zu beliebt. Weiter, hinauf, der Sonne entgegen, denn dies ist die Going-to-the-Sun Road, eine technische Meisterleistung der frühen Strassenbauer. Seit ihrer Fertigstellung 1932 ist die 80 km lange Passstrasse die einzige Verbindung über den Kamm der Rockies innerhalb des Nationalparks und die Panoramaroute schlechthin.
Die Strasse, die ganz unspektakulär im bewaldeten McDonald Creek beginnt, gewinnt zunehmend an Höhe und Höhepunkten. Haarscharf am Abgrund klettert sie über alte Steinbrücken, die Schweizer Baukunst verraten, die Steilhänge hoch. Der dichte, dunkle Talwald am Westhang der Berge lichtet sich zusehends. Dann ist die Baumgrenze erreicht, und nur noch wenige krummgewehte Latschen krallen sich am kahlen Fels fest. Schäumende Wasserfälle tosen unter der Fahrbahn durch; am weeping wall tröpfeln Rinnsale den Schnee des letzten Winters weg.
Auf 2 036 Meter ist die Höhe des Logan Pass erklommen. Am Parkplatz des Visitor Center herrscht Hochbetrieb. Nicht abschrecken lassen: Der Hanging Gardens Trail durch die prächtigen Blumenwiesen ist jeden Meter wert. Und der Blick von steiler Felsenwand auf den saphirblauen Hidden Lake krönt den Marsch.
So schnell, wie es bergauf ging, geht es hinter dem Pass wieder hinab. Diesmal ins Tal des langgestreckten St. Mary Lake, ebenfalls ein Restsee der Eiszeit. Es wird spürbar trock­ener und wärmer. Während an der Westweite der Berge noch feuchte Nadelwälder dominieren, wachsen hier an der Ostflanke der Rockies Laubbäume und Kiefern auf dem sandigen Boden.
Von St. Mary aus bietet sich ein kleiner Abstecher nach Browning an - eine landschaftlich ebenso reizvolle Strecke wie der anschliessende Rückweg am Südrand des Parks entlang. Browing ist das Zentrum der Blackfeet-Indianer. Das ausgezeichnete Museum of the Plains Indians (am Westende des Orts, Ecke US 2/US89) dokumentiert die Geschichte und Kunst der Plains-Indianer.
Südlich von Kalispell führt der weiterhin szenische Highway durchs Reservat der Flathead-Indianer, in dem heute rund 5000 Stammesmitglieder leben, für eine Weile am Westufer des gleichnamigen tiefblauen Sees vorbei, einer der grössten natürlichen Süsswasser-Seen westlich des Mississippi mit vielen Inseln.
In Pablo vermittelt das Peoples Center die Geschichte und Gegenwart der Region aus der Sicht der Indianer; ausserdem bieten es Touren durch das Reservat an. Die St. Ignatius Mission National Historie Site ist eine Jesuiten-Mission aus dem Jahr 1854, zu der auch eine Backsteinkirche (1891) im Stil der viktorianischen Gotik gehört. Ein Kuriosum im Innern: hier hat der Koch der Missionsstation zahlreiche Freskomalereien hinterlassen.
In der Nähe von Ravalli grasen auf der National Bison Range einige hundert Büffel in den Prärie-Hügeln des schönen Mission Valley. Wie vielerorts im Westen der USA bemüht man sich hier um die Wiederaufzucht der einst vernichteten Tiere.
Südlich von Evaro senkt sich die Strasse ins fruchtbare Tal, wo sich der Clark Fork-, Bitterroot- und der Blackfoot River treffen und die Route auf die Interstate wechselt. Sie führt an Missoula vorbei, wo man stolz das "Smokejumpers Base Aerial Fire Depot" ist. Hier wer­den die Fallschirm springenden Feuerwehrleute ausgebildet, die wagemutig bei Waldbränden in entlegenen Gegenden zum Einsatz kommen. Die Stadt selbst, Sitz der Universität von Montana, musste einst schlechte Erfahrungen mit dem Feuer machen. 1884 wurde sie Opfer eines verheerenden Brandes, doch grosse Teile seiner Altstadt konnten gerettet werden.top

Tag 13: Missoula - Yellowstone National Park (ca. 454 km)
Weiter südlich folgt Butte, der Ort, der in den 1880er Jahren einmal der grösste Kupferproduzent der Welt war und mehr als 100 000 Einwohner zählte (heute sind es noch gerade ein Drittel). Das Metall wurde in der benachbarten Schmelzofenstadt Anaconda weit­erverarbeitet. Es gab fabelhaft reiche Bergwerkbesitzer und gut organisierte Gewerkschaften, die sogar an der Spitze der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung standen. Die seit den 1980er Jahren stillgelegten Gruben können von einer Aussichtsplattform besichtigt werden: die Berkeley Pit zum Beispiel, wo Tagebau betrieben wurde, ist anderthalb Kilometer breit und 600 Meter tief. - In der Innenstadt, im sogenannten Butte National Historie Landmark District, stehen immerhin noch 4 500 sanierte Viktorianische Gebäude. $ 260 000 zahlte der Minenkönig und U.S. Senator W.A.CIark in den 1880er Jahren für den Bau der Copper King Mansion, die heute als Bed&Breakfast Inn überlebt; das war die Hälfte seiner damaligen Tageseinnahmen!
Bozeman kommt von Bozeman, John, jenem Mann, der die erste Wagenladung Pioniere hier ins Gallatin-Tal geleitete, ein sogenannter trail blazer, Pfadfinder, die nach geeigneten Wegen für die Siedler- und Bergarbeitertrecks nach Westen Ausschau hielten. Der Bozeman Trail überlebte, er selbst nicht, denn sein früher Highway war zugleich auch eine Kämpferzone zwischen Siedlern und Indianern. Bozemann fiel einem Angriff der Sioux zum Opfer.
Südlich von Livingston, der Heimat der legendäre Calamity Jane, erstreckt sich das Paradise Valley am Yellowstone River entlang und zu Füssen der mächtigen Absaroka Mountains, der höchsten in Montana: ein Traumtal! Es führt letztlich zum Eingang des Yellowstone National Park.top

Tag 14: Yellowstone National Park
Viele halten den Yellowstone National Park für die Nummer Eins in den USA. 1872 gegründet, ist er zumindest der älteste unter seinen Artgenossen. Mit zahlreichen Seen, Märchenwäldern und Canyons erweist sich insgesamt als ein wahres Wunderland des Vulkanismus, das mehr oder weniger deutlich zu erkennen gibt, welche Kräfte in der Erde am Werke sind. Geysire und kochendheisse Quellen und Schlammtöpfe deuten an, dass hier geothermisch einiges los ist und dass es mit den Eruptionen in der Vergangenheit durchaus noch weitergehen könnte.
Trotz des schlimmen Brands im Jahre 1988 blieben die charakteristischen Schönheiten des Parks unangetastet, Landschaften ebenso wie Bisonherden, Grizzly-Bären (die allerdings zum eigenen Schutz von den Rangern in den Norden des Parks abgedrängt wurden), Berglöwen und Hirsche. Seit einigen Jahren gibt es auch wieder Grauwölfe im Park. Die wachsende Popularität (ca. 3 Millionen Besucher pro Jahr) bereitet Umweltschützern und Verwaltung gleichermassen Sorgen - wie in anderen Nationalparks auch.
Wie wäre es mit einer Rundfahrt zu den Highlights des Parks - auf der Grand Loop Road? Beginnen wir die Tour am Yellowstone Lake, und zwar gegen den Uhrzeigersinn. An der nördlichen Spitze des Sees liegt die Fishing Bridge, von der zwar schon lange nicht mehr gefischt werden darf, von der man gleichwohl aber immer noch einen herrlichen Blick hat und Schwarzbären und Elche sehen kann. Wer lieber dem Geruch von faulenden Eiern folgt, der braucht nur ein wenig weiter nördlich auszusteigen und dem Trail zum Mud Vulcano zu fol­gen.
Wir folgen den sanften Biegungen des Yellowstone River weiter nach Norden durch die wildblumentrunkenen Weidegründe des Hayden Valley zu den tosenden Wasserkaskaden, die sich über die Upper und Lower Falls ergiessen. Der knapp dreitausend Meter hohe Dunraven Pass führt am Mt. Washburn vorbei, dem Überbleibsel eines 50 Millionen Jahre alten Vulkans. Hinter dem Tower Fall und der Roosevelt Lodge dreht die Parkstrasse nach Westen ab zu einem weiteren Naturschauspiel, zu den Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs, über die sich die Fontänen kochenden Wassers verlaufen. Algen und Bakterien, die in dem heissen Wasser aufs beste gedeihen, sorgen für die Farbgebung. (Upper Terrace Drive gewährt schöne Ausblicke auf die fotogenen Töpfe des Kalziumkarbonats.)
Warum brodelt es? Nun, man muss sich das Parkgelände als eine gewaltige Vukansenke vorstellen, unter der glühendes Magma für enorme Hitze sorgt. Wasser, das von der an dieser Stelle auch noch besonders dünnhäutigen Erdoberfläche durchsickert, wird zum Kochen gebracht und damit unter enormen Druck gesetzt, der sich unterirdisch nicht entladen kann, sondern nach Ausbruchstellen, in der Erdkruste sucht - im Grunde wie ein Teekessel, der kräftig unter Dampf steht.
Von Mammoth Hot Springs geht es durch jenen Teil des Parks, der von den Waldbränden besonders betroffen war. Sehenswert: die glitzernd-schwarze Obsidian Cliffs, entstanden aus schnell abkühlender Lava, aus deren Gestein sich die Indianer ihre Speerspitzen schlugen. Im weiter südlich gelegenen Norris Geyser Basin stöhnen und zischen die Dämpfe der Geysire besonders heftig; Geologen halten diese Region weltweit für den heissesten hot spot. Von Norris windet sich die Strasse nach Madison, wo der Firehole Canyon Drive zu einem kleinen Steintrip einlädt - entlang des von enormen Steilwänden flankierten Firehole River und seiner Fälle und Kaskaden, im nachfolgenden Midway Geyser Basin liegt die farbenfroheste heisse Quelle des Parks: die Grand Prismatic Spring, ein tiefblaues Becken mit bunten Rändern in Gelb und Rot und Grün.
Zu den Höhepunkten jedes Besuchs von Yellowstone zählt ohne Frage der weltberühmte Old Faithful, jenes alte getreue Sprudelwasser, das in ziemlich regelmässigen Abständen (so alle 80 Minuten) als eindrucksvolle Fontäne aus der Erde zischt, über 30 Meter hoch. Er spuckt nicht allein; Yellowstone zählt über 200 Springbrunnen dieser Art; also fast die Hälfte der auf 500 geschätzten aktiven Geysire weltweit. Die meisten versprühen Wasser, einige Gas.
Szenenwechsel: von hier aus nämlich schliesst die Parkstrasse den Rundkurs, hinauf zur inzwischen bekannten Continental Divide durch dichte immergrüne Wälder. Kurz hinter dem winzigen Isa Lake hat man einen besonders schönen Blick nach Süden hinüber zu den gewaltigen Grant Tetons. Dann öffnet sich die Sicht auf den prächtigen Yellowstone Lake, an dessen Ufern sich Gänse und Pelikane wohlfühlen. Mit der Natural Bridge, einer seltenen Natursteinbrücke, serviert Yellowstone auf dieser Rundfahrt das letzte Bonbon aus seiner landschaftlichen Wundertüte.top

Tag 15: Yellowstone National Park - Grand Teton National Park -Jackson (ca. 200 km)
Dass die Naturszenerie von Wyoming nicht von Yellowstone allein lebt, zeigt sich gleich am Anfang der heutigen Fahrtstrecke. Da lockt der malerische Grand Teton National Park mit seiner herzerfrischenden Melange aus blumenbestückten Almwiesen, imposanten Gletschern und perlenden Gebirgsbächen. Vielleicht war es die grosse Einsamkeit ringsum, die dazu führte, dass sich die französischen Trapper angesichts der üppigen Bergkuppen auf Anhieb an weibliche Brüste erinnert fühlten. Jedenfalls hatten die Dreitausender damit ihren Namen weg: Tetons. Die Spitzenhöhen in diesem alpinen Naturpark liegen zwischen 3.800 und 4.600 Meter (Grand Teton), so ein grosser Teil oberhalb der Baumgrenze liegt.
Südlich des Yellowstone Parks geht es am Jackson Lake vorbei und gleich hinter der Jackson Lake Junction schafft der Oxbow Bend Turnout die Nähe zum Snake River, wo sich Elche und Hirsche in den Wäldern am Fluss tummeln, während sich in ihm Otter und Biber zu Hause fühlen. Auch die Vögel fühlen sich wohl hier, Pelikane, Kormorane Reiher und Weisskopfadler. Nach einer Weile folgt, südlich von Moran, der Snake River Overlook auf einer riesigen Gletschermoräne, der herrliche Ausblicke über das Tal von Jackson Hole hin­weg auf die imposante gezackte Bergkette der Tetons erlaubt, während sich im Vordergrund der Fluss malerisch vorbeiwindet. Weiden, Cottonwood-Bäume und Espen säumen ihn - zur Freude der Biber, die ihre kleinen Bauten in den Bächen anlegen, die dem Snake River zufliessen.
Jackson Hole, dieses breite Hochtal, flankiert von den Teton und Gros Ventre Mountains, wurde nach einem frühen Trapper, David Jackson, benannt. Lange (1820-1840) war das Tal denn auch ein Umschlagplatz für Pelze und ein Treffpunkt für Trader und Trapper zwischen Wyoming und Idaho. Als man die Biber in Ruhe liess, wurde es still hier und nur die Indianer lebten hier in Sommer in ihren Teepee-Zelten. Auch die Besiedlung durch Pioniere verlief zögerlich. Nach dem ersten Weltkrieg drohte die Idylle durch den frühen Massentourismus der fröhlichen Automobilisten (tin can tourists) gestört zu werden, so dass sich einige lokale Gruppen dafür stark machten, die natürliche Schönheit des Tals zu retten - nicht durch die Erweiterung des Yellowstone Parks, sondern nur für die ortsansässigen Rancher und einige Sommergäste. Man gewann John D. Rockefeller dafür, das weitgehend in privater Hand befindliche Land heimlich aufzukaufen, um dem National Park Service Paroli zu bieten. Aber der Deal flog auf und 1950 entstand der Grand Teton National Park.
Vor Jackson liegt linker Hand das National Elk Refuge, ein weitläufiges naturgeschütztes Quartier für Elche, das am Anfang des Jahrhunderts angelegt wurde, um dem Elchsterben ein Ende zu bereiten, das durch eine Serie von kalten Winter verursacht wurde. Eine Herde von 7 000-10 000 Elchen überwintert hier heute. Im Sommer ziehen sie auf die Wiesen in höhergelegene Regionen der Tetons
Am Südausgang des Parks, von Bergen eingekesselt gelegen, aber gleichwohl noch in knapp 2000 Metern Höhe, hat sich Jackson im Touristengeschäft gleich doppelt eingerichtet Zunächst als eine zünftige Westernstadt, die die Atmosphäre verflossener rauer Tage lebendig zu halten versucht - vom Shootout über die Million Dollar Cowboy Bar (mit tollem Neonzeichen) bis zur historischen Postkutschenfahrt. Blockhäuser und zu Torbögen aufgetürmte und nachts illuminierte Elch-Geweihe sorgen für den kuscheligen Alpen-Look, während die Souvenirgeschäfte die entsprechenden Memos feilbieten, Cowboystiefel, Stetson-Hüte und Indianerschmuck eingeschlossen und nicht gerade billig.
Ausserdem ist Jackson ein sportorientiertes Versorgungszentrum für die Umgebung, die zum Wandern am Jenny Lake, zu Wildwassertrips auf dem Snake River und im Winter auf die Pisten des Rendezvous Mountain lockt.top

Tag 16: Jackson - Salt Lake City (ca. 440 km)
Zu Beginn der heutigen Reise führt die US 89 von Jackson durch den Snake River Canyon nach Süden. In diesen stürzt sich der Snake River bei Hoback Junction. Vor Garden City erreicht man die weissen Sandstrände des ultramarinblauen Bear Lake, den sich Utah und Idaho teilen. Dann geht es abwärts. Praktisch bis Logan bietet der Highway land­schaftliche Bilderbuchseiten am laufenden Band. Die Strasse folgt dem Logan River, der einen schönen Canyon ausgeschnitten hat. Logan selbst liegt im fruchtbaren Cache Valley, das nicht nur einen der ältesten, sondern auch ansehnlichsten Mormonentempel aufzuweisen hat.
Südlich von Brigham City, bekannt für seine vorzüglichen Pfirsiche, Kirschen und Aprikosen, nähert sich der Highway dem Great Salt Lake, eine Salzpfanne von beträchtlichen Ausmassen, über 100 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit und gerade mal um die sechs Meter tief. Hie und da fliegen ein paar Vögel, dort glitzert ein Becken, in dem Salz aus dem See gewonnen wird, und in einer Bucht ist das Wasser braunrot von Bakterien gefärbt. Lediglich diese Bakterien sowie Algen, eine seltsame Krebsart und Fliegen (des Teufels Schwalben) leben am und im See. Andere Organismen können sich im Solwasser nicht hal­ten. Dieses Binnenmeer ist das Überbleibsel eines zu Eiszeit noch weit grösseren Sees, der durch Verdunstung und Versalzung auf sein heutiges Ausmass schrumpfte. Nur noch das Tote Meer ist salziger! Landwirtschaftliche Erfolge trotz unfruchtbarem, salzversuchtem Land: das verweist auf die traditionellen Fähigkeiten der Mormonen. Sie waren die ersten Anglos, die ein Bewässerungssystem in Nordamerika einführten, um sich ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Über einen Damm im Salzsee erreichbar ist Antelope Island, dessen State Park allerlei zu bieten hat: hier kann man baden (das Wasser trägt hervorragend - kein Wunder bei einem Salzgehalt, der das Sechsfache der Ozeane erreicht) oder Bisons und Vögel beobachten. (Westlich des Sees liegen übrigens die flotten Salzpisten des Bonneville Speedway, der immer wieder mutige Autofahrer zu Geschwindigkeitsrekorden herausfordert.)
Ogden, das der Highway als nächstes passiert, hat ausnahmsweise wenig mit den Mormonen zu tun, sondern von Anfang an mit den Eisenbahnern. Das Museum von Union Station zeichnet die Geschichte der Eisenbahn und ihre Bedeutung für den Personen- und Warenverkehr anschaulich nach. Nicht allzu weit von hier trafen sich ja 1869 die Eisenbahnbauer aus dem Osten und dem Westen, Union Pacific und Central Pacific Raiload, um durch den Einschlag des letzten Nagels die erste transkontinentale Schienenverbindung zu schaffen. Das Museum von Union Station (25th Street) zeichnet die Geschichte der Eisenbahn und ihre Bedeutung für den Personen- und Warenverkehr anschaulich nach. Überhaupt ist die 25th Street hübsch restauriert worden.
Schliesslich Salt Lake City! Die Stadt am grossen Salzsee, 1847 von den Mormonen unter ihrem charismatischen Führer Brigham Young gegründet und mit heute ca. 160 000 Einwohnern, zieht sich von den imposanten Wasatch Mountains bis weit in die Wüste. Erst war sie Hauptstadt der religiösen Gründung, dann des Staates Utah. Die Hälfte der Einwohner sind tatsächlich Mormonen. Das Herz der Stadt bildet der von einer meterhohen Mauer umschlossene Temple Square in der Innenstadt mit dem Tempel, zwei Visitor Centers mit Ausstellungen über Geschichte und Inhalt der Mormonen-Religion und dem Tabernacle.
Der Salt Lake Temple ist nur für Mormonen zugänglich, die meisten anderen Gebäude können aber auf Führungen besichtigt werden., z.B. das Tabernacle mit Kuppeldach, 11 000-Pfeifen-Orgel, 6 500 Sitzplätzen und einer ausgezeichneten Akustik, die man vor allem bei Orgelkonzerten geniessen kann.
Das Beehive House (67 East South Temple Str.) war von 1854 bis 1877 Wohnsitz von Brigham Young und fungiert heute als Museum, das einen guten Eindruck vom Lebensstil der Mormonen vermittelt. Von den Stufen des State Capitol (Capitol Hill, am nördlichen Ende der State Street) hat man einen beeindruckenden Blick über die Stadt und die Wasatch Mountains. Im Pioneer Memorial Museum (300 North Main Street) werden Gegenstände aus dem täglichen Leben der ersten Pioniere gezeigt. Im Pioneer Trail State Park am Eingang des Emigration Canyon steht das This Is The Place Monument, das an die Ankunft der ersten Mormonen erinnert, und Old Deseret, ein Open-Air-Museum, das eine typische Pioniersiedlung in Utah darstellt, in der das Parkpersonal die "Einwohner" von einst mimen und dabei historisch korrekte Kleidung tragen. Hier steht auch das Farmhaus von Brigham Young mit Einrichtungen aus seiner Zeit.
Das Verkehrsamt (Convention & Visitors Bureau) befindet sich in der 180 South West Temple Street, Tel. (801) 521-2822.top

Tag 17: Salt Lake City - Bonneville Salt Fiats - Wells - Elko (ca. 370 km)
Am Weg durch die salzige Wüste nach Westen liegen die flotten harten Pisten des Bonneville Speedway, der dafür bekannt ist, seit 1914 immer wieder mutige Autofahrer zu Geschwindigkeitsrekorden herauszufordern. Die schneeweissen Bonneville Salt Fiats sind ebenso wie der Grosse Salzsee Überbleibsel eines prähistorischen Riesensees, der vor rund 20 000 Jahren ein Drittel der Fläche des heutigen Utah bedeckte.
An der Grenze zu Nevada: Wendover, das sich clever an die in den Staaten unter­schiedlichen  Glücksspielregeln angepasst und  in seinem Westteil ein halbes Dutzend Casinos aufgepflanzt hat. Unübersehbar grüsst über allem die Figur eines Mega-Cowboys namens Wendover Will, der die Besucher in Nevada willkommen heisst. Dennoch, auf ein gerüttelt Mass an weiterer Kargheit muss man sich nun gefasst machen. Nevada besteht nicht nur aus Glamour-Girls und Glitzer-Shows, sondern vor allem aus Wüste. Aus sehr viel Wüste! Und doch ist es beinah haargenau die Route des historischen California Trail, dessen Verkehrsaufkommen mit Prärieschonern um die Mitte des 19. Jahrhunderts beträchtlich wuchs, als sich die Kunde vom California gold rush ausbreitete. Der Trail to El Dorado, wie er manchmal auch genannt wurde, begann in Independence, Missouri, und endete in Sacramento. Erst mit der Verlegung der Eisenbahnschienen stieg der Komfort des Reisens. Viele Städtchen entstanden erst durch die. So kam Wells zum Beispiel nur deshalb auf die Landkarte, weil die Central Pacific Railroad sich des Wassers bedienen wollte, das aus den Quellen in den nahen Hügeln floss. Heute ist daraus eine railroad ghost town geworden, ein klassischer Fall für all jene Städtchen im Westen, die mit der Umstellung des Verkehrs von der Schiene auf die Strasse ihre Existenzgrundlage verloren.
Elko ist dabei noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Die alte (und gegenwär­tige) Goldminenstadt erlebte später die Einwanderung vieler baskischer Schafhirten. Über­haupt sind ja Bereiche des nördlichen Nevada nach wie vor baskisch geprägt, unter anderem auch die Küchen einiger Restaurants. In der (zu den Ausstellungsstücken gehörenden) Halleck-Bar im vorzüglichen Northeastern Nevada Museum (1515 Idaho St.) erfährt man von der Todesursache einiger Barkeeper. Ansonsten steht die Natur- und Siedlungsgeschichte im Vordergrund. Die Stadt erlebte ihre kurzfristige Blütezeit durch die Eisenbahn, die die Minen in der Umgebung versorgte; später (1874) wählte man sie als Sitz für die Staatsuniversität, die dann auch bald ihre Tore öffnete, für ganze sieben Studenten. Die Einwohnerzahl schrumpfte und die Hochschule gab auf und zog nach Reno um. Dennoch hat die Kultur Elko nicht ganz verlassen: alljährlich im Januar lädt die Stadt zum populären Cowboy Poetry Festival und im Juni zum Cowboy Music Gathering. Literatur und Musik - warum nicht auch in der Wüste?top

Tag 18: Elko - Reno - Lake Tahoe (ca. 560 km)
Heute ist es erneut so wie bei den ersten Siedlern, die unterwegs waren ins Land, wo angeblich Milch und Honig fliessen sollte: der Weg nach Kalifornien war wild und wüst. Und lang. Die modernen Superhighways haben diese Schrecken zwar vertrieben, aber Einöden und Tempolimits sind geblieben. Geduld ist also gefragt auf der Durststrecke ins den Goldenen Westen. Wie gesagt, heute besonders. Zum herausragenden Ereignis in der Stadtgeschichte von Winnemucca zählt zweifellos die Visite von Butch Cassidy und seiner Bande, die in den alten Tagen hier die First National Bank ausraubten. Anschliessend bedankte sich der Pistorelo mit Brief und einem Gruppenfoto seiner Leute.
Reno, ähnlich wie sein grösserer Bruder Las Vegas im Süden, nützt die Nähe zum reichen Nachbarn Kalifornien, denn diese Marktlage erlaubt es der Stadt, mit drei Kassenschlagern gleichzeitig aufzuwarten: Glücksspiel, Shows und schnelle Scheidungen. Jede(r) bekommt hier seine Chance. Verdienstnachweise, Ausweispapiere, Bürgen, Kleiderordnungen: das pseudo-feudale Getue mancher europäischer Spielcasions - nicht in Reno! Schluck- und spuckbereit stehen die Münzautomaten in den Hallen aufgereiht, manche so gross wie Fussballfelder. Die Stadt ist 24 Stunden geöffnet und für ein Leben im Glashaus bestens gerüstet, denn Spiel und Spass sind hermetisch von der Luft abgeschirmt, was im Sommer durchaus seine Vorteile hat.
Weiter südlich folgt (was den Rang angeht) die drittplazierte Spielerstadt Nevadas und zugleich seine Hauptstadt, Carson City: klein, freundlich, provinziell, also sehr sympathisch.
Noch ein paar Schlenker - und dann zeigt er sich plötzlich: Lake Tahoe, eine spek­takuläre Überraschung, ein Bergsee im Cinemascope-Format, ein wahrer Bergkristall!. Viel Deutsch-Schweizerisches grüsst entlang dem südlichen Ufer des Sees, der seinen Namen den Washoe-Indianern (da an = See) verdankt. Da grüssen "Heidi's Restaurant", das "Matterhorn-Hotel" und das "Alpenhaus". Die Chalets erinnern im Winter mit ihren Eiszapfen an weihnachtliche Pfefferkuchenhäuser, und die angebotenen Schlittenfahrten passen dann dazu. (Squaw Valley liegt praktisch um die Ecke.)top

Tag 19: Lake Tahoe - Sacramento - Wine Country - San Francisco (ca. 440 km)
Werfen Sie ein letzter Blick auf den Lake Tahoe - den Bergsee im Cinemascope-Format!
Fahren Sie heute auf jenem Highway, in dessen unmittelbarer Nähe der Stoff gefunden wurde, der 1849 plötzlich die Welt in Kalifornien veränderte: Gold. Heute reiht er hübsche kleine Örtchen und schöne Landschaften wie eine Perlenkette auf und bietet zudem vielerorts die Möglichkeit, sein Glück beim Goldwaschen zu suchen.
Nur ein Drittel des Goldes in Kalifornien sei bisher geborgen worden, behaupten amerikanische Geologen. Kaum zu glauben. Denn nachdem der Zimmermann James Marshall am Morgen des 24 Januar 1848 im Bachbett des American River vor einer Sägemühle in Coloma (13 km nördlich von Placerville) das erste Gold gefunden hatte, pil­gerten Tausende und Abertausende in den Westen, wochenlang per Schiff oder Pferdewagen angereist, z.T. aus Übersee. Die Glücksritter buddelten und gruben, schürften und siebten. Und die meisten wurden fündig.
Dieser Goldrausch war die Geburtsstunde Kaliforniens. 1848 lebten hier gerade 15 000 Einwohner, vier Jahre später schon 225 000. Die Küstensiedlung San Francisco wuchs zur Stadt. Überall (entlang der heutigen Highway 49) wurden hastig neue Dörfer zusammengez­immert, denen die Goldgräber phantasievolle Namen gaben. Oft bestanden die Siedlungen nur aus ein paar Holzhütten, einem Gemischtwarenladen und einem Saloon. Für den Bau richtiger Häuser war keine Zeit, denn die Jagd nach dem Gold war wichtiger.
Nach zehn Jahren war der grosse Rausch im Grunde vorbei. Der leicht zugängliche Teil des goldhaltigen Quarzes in der mother lode, der "Mutterader," die sich rund 180 Kilometer am Westrand der Sierra Nevada entlang zieht, war grösstenteils abgeschürft. Heute sind die meisten Minen stillgelegt. Das Gold, das jetzt noch vom Wasser aus dem Gestein gespült wird, ist kein Vorbote unentdeckter Schätze, sondern Zufallsprodukt.
Schnell fällt der Highway jetzt Richtung Placerville. Dabei muss er sich notgedrungen verengen, krümmen, kurz, dem Verlauf des American River anpassen, während die Kiefern des Eldorado National Forest immer nahe an der Strasse stehen. Placerville überlebte die Gold Rush Tage vor allem durch seine gute Verkehrslage. Erst war es der Pony Express, nach der Jahrhundertwende die US 50, die für den Transit sorgte - eine der ersten transkon­tinentalen Fernstrassen in den USA überhaupt. Über sie geht es heute auch nach Westen zur Hauptstadt Kaliforniens, Sacramento.
Sacramento hat im Grossraum gut eine Million, aber in der Innenstadt kaum 400000 Einwohner. Um das Jahr 1540 wurde das innere Kaliforniens durch Spanien in Besitz genom­men, jedoch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nie besiedelt. Die einheimischen Maidu und Wintok sahen nur kanadische und russische Pelztierjäger. Alles änderte sich, als die mexikanische Regierung dem Schweizer John Sutter 1839 Land am American River vergab, er es 'Nueva Helvetia' nannte und zum König Sacramentos wurde. Als Holzbaron wollte er sein Imperium ausbauen und schickte im Jahre 1848 einen seiner Mitarbeiter, James Marshall, den Fluss entlang, um eine neue Holzmühle zu errichten. Was er jedoch fand war Gold und innerhalb von fünf Jahren kamen aus aller Welt über eine halbe Million Goldsucher. Ironischerweise starben später sowohl Sutter als auch Marshall, ohne einen 'Penny' in der Tasche. Sacramento wurde aber wegen seiner Lage am Sacramento River als Binnenhafen und Schifffahrtzentrum des Goldrauschgebietes. Im Jahre 1854 wurde Sacramento Hauptstadt Kaliforniens und die erste Eisenbahn der Westküste zwischen Folsom und der neuen Hauptstadt 1856 erbaut, Die landwirtschaftliche Tätigkeit blühte und Sacramento's Zukunft war gesichert.
Sacramento liegt im 'Great Central Valley', dem fruchtbaren Zentraltal Kaliforniens, der Speisekammer Amerikas, mit Bohnen, Tomaten, Baumwolle, Reis, Pfirsichen, Birnen, Mandeln und Walnüssen. Hier findet man Konservenfabriken wie Libby's Cannery und die California Packing Company (jetzt Del Monte). Ein weiteres Wachstum vollzog sich nach dem Zweiten Weltkrieg, durch die neuen Luftwaffenstützpunkt Mather und McLellan, die zusät­zliche Arbeitsplätze schufen. In den 1950er Jahren wurde hier überdies das Raumfahrtprogramm 'Aerojet' gegründet und die spitzentechnologische Industrie benötigte deshalb Ingenieure und Raketenwissenschaftler, die hier Arbeit fanden. Aber natürlich ist die Verwaltung Hauptarbeitgeber der Hauptstadt. Das Verwaltungszentrum liegt im und um das Capitol herum, wo die Volksvertretung, Senat und Obergerichtshof ihren Sitz haben. Das Capitol ist einen Besuch wert. Sie können sich im Erdgeschoss bei den "guides" kostenlos eine Brochüre holen und eine selbstgeführte Tour unternehmen.
Fahren Sie anschliessend nach Old Town, der Altstadt, die am Ufer des Sacramento River liegt. Die 8 Stadtblocks sind ansprechend zum staatshistorischen Park und Nationalwahrzeichen renoviert worden und bieten nicht nur Restaurants und Souvenirläden sondern auch Museen, wie z.B. das exzellente Railroad Museum (Eisenbahnmuseum) mit Dampflokomotiven. Das 'Delta King' Luxusdampfschiffhotel sowie eine Statue des 'Pony Express', der hier seine Endstation hatte, befinden sich auch hier. Der Pony Express war das erste Postdienstsystem im Westen der USA und stellte über eine Entfernung von ungefähr 3000 Kilometern zwischen St. Joseph, Missouri, und Sacramento in 8 bis 10 Tagen die Briefe und Nachrichten zu . Nach 18 Monaten wurde der Dienst eingestellt, weil der neuerfundene Telegraph das gleiche viel schneller schaffte.
Weiter geht es in Richtung eines der besten Weinanbaugebiete der Welt! Napa Valley ist ein Tal nördlich von San Francisco, wo Weltklasse-Weine Produziert werden. Es ist unmöglich alle Weingüter an einem Tag zu besuchen. Sie würden bestimmt alles schon doppelt sehen bevor Sie im nächsten Dorf anhalten, um die nächste Weinprobe zu machen! Jeder Besucher hat sein Lieblingsweingut.
Napa Valley ist ungefähr 50 Kilometer lang und zwischen anderthalb und 8 Kilometer breit. Es besteht aus der Stadt Napa, mit 53 000 Einwohnern, und Dörfern wie Yountville, Oakville, Rutherford, St. Helena und Calistoga, auch bekannt wegen Mineralquellen und Kurorte. Die meteorologischen und geographischen Bedingungen im Tal sind so ver­schieden, dass eine grösste Vielfalt an Rebqualitäten geboten wird.
Highway 29 verbindet die Dörfer und ermöglicht einen einfachen Zugang zu den Weingütern, Restaurants und Hotels bzw. Pensionen. 'The Silverado TraiP, die östliche Parallelstrasse, bietet wunderschöne Ausblicke der schlossähnlichen Weingüter und deren Weingärten, und ist nicht so kommerziell und überlaufen.
Als entschieden wurde, in Sonoma die Mission zu bauen, wurde der Eckstein der kalifor­nischen Weinindustrie gelegt. Die Franziskaner Mönche bauten ihre eigene Missionsrebenart an, die durch George Yount zum ersten Mal in Napa Valley gepflanzt wurde. Das Tal war um 1840 noch bewaldet und dichtbesiedelt von Hirschen und Bären. Nach Beginn des Goldrausches, nachdem Kalifornien Bundesstaat geworden war, gingen erfolglose Goldsucher auf die Suche nach Ackerland, was sie in Napa Valley fanden. Im Jahre 1858 kam der Deutscher Charles Krug, der seine Lehre hatte unter Agoston Haraszthy, dem Vater der kalifornischen Weinindustrie, und nutzte seine Kenntnisse um Napa Valley auf die Weltweinkarte zu placieren. Kurz darauf kam George Beiden Crane und entschied, dass die deutschen Rebarten eine bessere alternative darstellten. Die erste Blütezeit der Winzereien und deren noch immer zu bewundernde Architektur fing an. Indessen wurde auch in nicht zu unterschätzendem Ausmass die Silber- und Quecksilbergewinnung zu einer blühenden Industrie.
Die Prohibition und Depression jedoch beeinflussten die Wirtschaft und Weinproduktion, aber 'Altarweine' konnte Mann nicht verbieten. Nur ein Paar hartarbeitende und glückliche Winzer überlebten, wie z.B. Beringer, Beaulieu und Inglenook. Sobald die Prohibition zu Ende war, entstanden sofort 60 neue Winzereien, aber auch hier haben nur Christian Brothers, die Louis Martini Familie und die Mondavi Familie, die neuen Eigentümer der Charles Krug-Winzerei, jene Zeit überlebt. Die zweite Blütezeit brach erst in den 50er Jahren an, und um 1963 herum wurde Napa Valley das erste Mal als DAS amerikanische Weinproduktionsgebiet anerkannt. Um 1975 herum gab es schon 50 Winzereien für ein immer grösser werdendes Publikum und die Tendenz zum kleineren und mehr spezialisierten Weinhaus kam als Antwort auf die immer verfeinerte Nachfrage der weintrinkende Kundschaft, wodurch jetzt über 80 grosse und kleine Weingüter im Tal Geschäfte machen. Auf weltebene kam der grosse Durchbruch 1976, nachdem die Winzer von Stags Leap das erste Mal das Weltklasseweinhaus Mouton Rotschildt im internationalen Weinwettbewerb von Paris schlu­gen. Seitdem haben viele Weingüter den Besitz gewechselt. Eine Fahrt durch dieses malerischen Tal, ist eine Fahrt der Vielfalt an Geschichte und Qualitätselixiere.
Weil so viele Leute ins Tal kommen, können die Weingüter nicht länger die Weinproben kostenlos anbieten. Rechnen Sie also damit, wenn Sie irgendwo mal 'probieren' wollen.
Südlich in den Sonoma und Napa Tälern sorgt die San Pablo Bay für ein kühleres Klima, und deshalb ist diese Cameras Gegend ideal für 'Champagne'. Genau während der Prohibition, wo keiner in den Vereinigten Staaten glaubte, dass Alkohol jemals wieder legal werden könnte, wurden internationale Verträge unterschrieben, in denen Getränke mit dem Namen 'Champagne' nur aus der gleichnamigen französische Weingegend stammen kon­nten! Kalifornien hat diesen Vertrag also nicht unterschrieben, und könnte eigentlich die Auslese 'Champagne' benutzen, wenn nicht viele Weingüter französische Tochterunternehmen wären! Somit trinkt man im deutschsprachigen Bereich 'Sekt', im spanischen 'Cava', 'Spumante' in Italien, oder im Allgemeinen auch noch 'Methode Champenoise'.
Sie haben beim verlassen der Weinlandschaft öfters mal einen Blick auf die San Francisco Bay und bevor Sie die Golden Gate Bridge überqueren, ist östlich, bei der Missionsstadt San Rafael, das riesige hellgelbe San Quentin Gefängnis zu sehen. Hier wartet die verhältnismässig grösste Anzahl zum Tode Verurteilten in den Vereinigten Staaten. Sie fahren vorbei an Belvedere, ständig in den Top Zehn der teuersten Ortschaften Amerikas, an Tiburon mit seiner oft vernebelten Aussicht auf die 'City', und an Sausalito mit seinem mediterranen Künstlercharme, Über das Tor zu den Goldfeldern, das Golden Gate, erreichen Sie San Francisco.top

Tag 20: San Francisco
Heute, ist der letzte Tag Ihrer Wonders of the Pacific Northwest Mietwagenrundreise. Im Laufe der letzten Wochen haben Sie die Schönheiten und in Geheimnisse dieser beliebten Region Amerikas entdeckt. Wir hoffen, dass Ihnen der Besuch gefallen hat. ATI bietet weitere Reiseprogramme durch die Vereinigten Staaten und Alaska an. Fragen Sie bitte Ihr Reisebüro nach dem neuesten Amerika Katalog Ihres Reiseveranstalters.top


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Letztes Update: 16.11.2017